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Polizei & Unterwelt · England

Das zweite Leben des George Barrington

Nach Jahren geschickter Taschendiebstähle wird George Waldron, der sich George Barrington nennt, im Jahre 1790 zu sieben Jahren Deportation verurteilt. Pelham schildert dessen Dasein als Beutelschneider und seine spätere Laufbahn in New South Wales; die Meuterei auf hoher See, welche die Chronik als heroische Rettungstat darstellt, verweist das Australian Dictionary of Biography indessen ins Reich der Legende.

Im Winter 1775 versucht George Barrington in Covent Garden, dem russischen Fürsten Orloff eine mit Diamanten besetzte goldene Tabatiere zu entwenden, deren Wert Pelham auf dreißigtausend Pfund beziffert. Orloff packt ihn am Kragen; im allgemeinen Getümmel gelingt es Barrington, dem Eigentümer das Kleinod unbemerkt wieder zuzustecken. Schenkt man Camden Pelham Glauben, sieht der Fürst von einer Anzeige ab, nachdem er die Klagen des Diebes über ein abgebrochenes Medizinstudium und seine ehrbare Herkunft vernommen hat. Ein Magistrat erteilt ihm eine scharfe Rüge und entlässt ihn in die Freiheit. Diese Szene bestimmt den Grundton der Chronik: der eines gewandten Beutelschneiders und beredten Schmeichlers, dem immer wieder Gnade widerfährt. Doch Pelham dichtet ihm überdies eine Rettungstat auf hoher See an, deren Wahrheitsgehalt höchst zweifelhaft ist.

Auf den ersten Seiten Pelhams wird George Waldron 1755 in Maynooth als Sohn eines Silberschmieds und einer Näherin geboren. Nach Pelhams Lesart tritt der junge Mann dank eines Würdenträgers der Church of Ireland, der für dessen Kost und Ausbildung aufkommt, in eine Dubliner Schule ein. Infolge eines Streits mit einem älteren Mitschüler verletzt George diesen mit einem Federmesser. Aus Furcht vor der Züchtigung ergreift er die Flucht. Zuvor entwendet er seinem Lehrmeister Geld sowie eine Repetieruhr und schlägt sich über die Landstraße nach Drogheda durch.

In einer Schenke begegnet er einer Truppe von Wanderschauspielern. Deren Prinzipal namens Price war einst selbst zur Verbannung verurteilt worden und fristet nun sein Dasein im irischen Exil. Er wird zum Mentor des jungen Flüchtigen, der den Namen Waldron ablegt, sich fortan Barrington nennt und sich der Gesellschaft anschließt. Binnen weniger Tage erlernt er die Rolle des Jaffier in Venice Preserved und gibt sie in einer vollbesetzten Scheune zum Besten. Doch der Truppe mangelt es an Mitteln. Barrington händigt ihr die gestohlene Uhr aus; man veräußert sie und teilt den Erlös. Wenig später werden mehrere Kaufleute auf dem Jahrmarkt von Derry bestohlen; Pelham beziffert die Beute auf vierzig Guineen in bar sowie einhundertfünfzig Pfund in Banknoten. Die Schaupieler verlassen die Stadt; in Ballyshannon erkennt Barrington, dass ihm der Griff in fremde Taschen weit mehr einbringt als die Bretter, die die Welt bedeuten. In Derry hatte er sich zudem an jene Mimin gebunden, die die Belvidera spielte. Sie war mit sechzehn Jahren mit einem Marineleutnant aus Coventry geflohen, der sie in Dublin sitzenließ, woraufhin Price sie in die Truppe aufnahm. Ihre Verbindung, so Pelham, endete erst mit dem Tod der jungen Frau, die im Alter von achtzehn Jahren bei der Überquerung des Boyne ertrank.

Er beginnt nun, den »Gentleman-Taschendieb« zu spielen, und legt das weltmännische Auftreten eines vermögenden Mannes an den Tag. Als Price festgesetzt und verurteilt wird, weicht Barrington nach Dublin aus, wo er vornehmlich im Schutze der Dunkelheit stiehlt. Nachdem man ihn bei einem Pferderennen in der Grafschaft Carlow wiedererkennt, gibt er das Diebesgut zurück und entgeht abermals der Strafverfolgung. Im Jahre 1773 setzt er nach England über. In Ranelagh mischt er sich unter eine vornehme Gesellschaft und bemächtigt sich nach Pelhams Bericht des Geldes des Herzogs von Leinster und Sir William Drapers sowie einer Taschenuhr. Ohne den geringsten Argwohn zu wecken, kehrt er zu seinen Gefährten zurück.

Zwei Jahre darauf verkehrt Barrington in mondänen Kurbädern und gibt sich als Mann von Stand aus. Am Geburtstag der Königin schleicht er sich, als Geistlicher verkleidet, bei Hofe ein; dort entwendet er mehrere Kostbarkeiten, darunter den diamantenbesetzten Orden eines Adligen, und verlässt den Palast ungehindert.

Selbst wiederholte Warnungen halten ihn nicht auf. Als man ihn im Oberhaus entdeckt, weist ihn ein Gerichtsdiener hinaus; mangels Bürgschaft wandert er ins Gefängnis. Kaum entlassen, beraubt er eine Dame im Drury-Lane-Theater. Pelham datiert seine Verurteilung zu drei Jahren Zwangsarbeit auf den Gefängnisschiffen von Woolwich auf das Jahr 1777. Gute Führung bringt ihm einen Straferlass ein, sodass er nach Ablauf eines Jahres freikommt. Keine sechs Monate später wird er wegen eines Diebstahls in der Kirche St. Sepulchre erneut arretiert; diesmal lautet das Urteil laut Pelham auf fünf Jahre Gefängnisschiff.

Barrington verfällt tiefer Verzweiflung und stößt sich ein Federmesser in die Brust. Die Wunde ist tief, doch nicht tödlich. Ein hochgestellter Besucher, der den Zustand der Sträflinge besichtigen will, lässt sich von seinem elenden Zustand rühren und erwirkt eine Begnadigung unter der Bedingung, dass er das Königreich verlasse. Man stattet ihn mit Zehrgeld für die Rückkehr nach Dublin aus. Kurz darauf klagt man ihn an, im Theater die Uhr und die Börse eines Adligen gestohlen zu haben; da die Beweise nicht ausreichen, wird er freigesprochen. Er verlässt Dublin in Richtung Edinburgh, kehrt nach London zurück und landet schließlich in Newgate, da er gegen die Auflagen seiner Begnadigung verstoßen hat. Später wird er wegen des Diebstahls der Geldbörse eines gewissen Mr. Le Mesurier in Drury Lane verhaftet, entwischt jedoch dem Konstabler. Während die Kronanwälte seine Ächtung betreiben, streift Barrington unter vielerlei Masken durch den Norden: als Geistlicher, als Wanderarzt, als Reisender von Stand. In Newcastle festgesetzt, wird er mittels eines Habeas-Corpus-Beschlusses nach London überstellt; die Ächtung wird aufgehoben und er in Ermangelung eines Hauptzeugen freigesprochen. Er kehrt nach Dublin zurück, reist wieder nach England und geht den Häschern abermals bei einem Pferderennen ins Netz.

Das Australian Dictionary of Biography datiert den Prozess am Old Bailey auf den 15. September 1790 und nennt den Diebstahl einer goldenen Uhr samt Kette beim Rennen von Enfield als Anklagepunkt. Pelham bezeichnet Henry Hare Townsend als Opfer und gibt eine wortreiche Rede wieder, in der Barrington klagt, seine Worte und Taten seien stets gegen ihn ausgelegt worden. Er wird zu sieben Jahren Deportation verurteilt; die Verschiffung nach Botany Bay folgt auf dem Fuße.

Pelham stilisiert die Überfahrt in der Folge zu einer heroischen Rettungstat: Seinem Bericht zufolge sollen Sträflinge versucht haben, sich der Schiffswaffen zu bemächtigen, woraufhin Barrington einen von ihnen mit einer Brechstange niedergestreckt und den Durchgang verteidigt habe. Der Kapitän habe ihn am Kap der Guten Hoffnung mit einer Anweisung über einhundert Dollar belohnt. Das Australian Dictionary of Biography vermerkt, die zeitgenössische Presse habe ihm zwar die Niederschlagung einer Meuterei zugeschrieben, die Tatsachen hielten dieser Darstellung jedoch nicht stand. Die Episode ist mithin als Legende zu betrachten, die sich um seinen Namen rankte, nicht als verbürgtes Ereignis.

In Pelhams Darstellung empfiehlt der Kapitän Barrington dem Gouverneur. Das Australian Dictionary of Biography datiert seine Ankunft auf der Active auf den September 1791 und seine Ernennung zum Oberkonstabler von Parramatta auf das Jahr 1796. Pelham erwähnt zudem die Aufsicht über die Sträflinge und ein Jahresgehalt von fünfzig Pfund. Dessen Rückzug setzt er im Jahre 1801 an und begründet ihn mit geistigem Verfall; das ADB datiert das Dienstende hingegen auf das Jahr 1800. Er stirbt 1804. So verwebt die Chronik geschickt Lebensweg, Anekdote und Mythos.

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Der Pelham-Eintrag (Zeilen OCR21599–21977) wurde vom Autor und einem unabhängigen KI-Revisor vollständig eingesehen. Root hat die Erzählung, die Entwürfe, das Revisionsprotokoll sowie den zitierten ADB-Artikel geprüft. Chronologische Abweichungen und der legendäre Charakter der Meuterei wurden anhand dieses Artikels berichtigt; das gerichtliche Originalprotokoll und der Gesamtband wurden nicht als durchgesehen erklärt.

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