Robert Perkins stand im Begriff, England zu verlassen, als man ihn in Gravesend festnahm. Er beabsichtigte, nach Ostindien überzusetzen; die Justiz überstellte ihn stattdessen nach Newgate. Nahezu zwei Jahre lang hatte er als Bäcker in ebenjenem Land gearbeitet, dessen Boden zu betreten ihm unter Androhung der Todesstrafe untersagt war. Der Diebstahl, der einst zu seiner Verbannung nach Jamaika geführt hatte, betraf eine gezinkte Münze, die man in den Tiefen einer Schenke in Whitechapel in seiner Tasche fand. Nach seiner Rückkehr war es allein seine bloße Anwesenheit auf englischem Boden, die ihm das Todesurteil einbrachte.
Sein Vater betrieb eine ansehnliche Herberge in Hempsted oder der näheren Umgebung in der Grafschaft Hertfordshire. Solange dessen erste Gattin lebte, so schildert es der Chronist, wuchs Perkins als ein mit Zuneigung bedachtes Kind auf, das bei einem geschätzten Schulmeister in die Lehre ging und Aussicht auf eine gediegene Bildung hatte. Mit dem Hinscheiden der Mutter veränderte sich das Hauswesen grundlegend. Der Vater schloss eine zweite Ehe; der Knabe wurde zunächst ins elterliche Heim zurückbeordert und dort für eine Weile wohlwollend aufgenommen. Doch bald glaubte er zu erkennen, welches Los man ihm zugedacht hatte, und gab seinem Argwohn womöglich allzu unbedacht Ausdruck. Dem Bericht zufolge erwirkte seine neue Stiefmutter daraufhin seine Verstoßung und ein dauerhaftes Hausverbot. Der Chronist hält ausdrücklich fest, es sei nicht überliefert, ob sich der junge Perkins bis zu diesem Zeitpunkt irgendeines Vergehens schuldig gemacht hatte.
In einer Nacht, als die Kälte unerträglich wurde und er um das Wohl seiner Schwester bangte, nahm er eine Leiter und stieg durch ein Fenster in das Haus ein. Dieses Eindringen wurde ihm unverzüglich als der Versuch ausgelegt, seiner Stiefmutter nach dem Leben zu trachten. Der Text berichtet keineswegs, Perkins habe bei dieser Gelegenheit einen Diebstahl verübt; vielmehr hebt er hervor, dass diese Begebenheit zu einer schweren Anklage aufgebauscht wurde und zum gänzlichen Bruch mit dem Vater führte. Dessen Tod folgte bald darauf. Er hinterließ ein beträchtliches Vermögen von mehreren tausend Pfund, doch sein Sohn erhielt keinen einzigen Pfennig: Man gab ihn bei einem Bäcker in die Lehre und überließ ihn, so die Chronik, vollkommen mittellos seinem Schicksal.
Das Handwerk empfand er als mühselig und beschwerlich. Er zog es vor, zu trinken, dem Spiel zu frönen und seine Tage mit Gesellen zu vergeuden, die ihn zu ausschweifenden Vergnügungen verleiteten. Der Gedanke an das Erbe, dessen man ihn beraubt hatte, nährte dem Verfasser zufolge seinen Hang, über seine Verhältnisse zu leben. Perkins, so heißt es, gebärdete sich, als stünden ihm die väterlichen Reichtümer jederzeit zur Verfügung, obgleich seine tatsächlichen Einkünfte zu äußerster Sparsamkeit mahnten. Ein solcher Aufwand und die stete Jagd nach Zerstreuung ließen sich weder mit seiner Lehrzeit noch mit seiner wirklichen Lage vereinbaren. Der Chronist beklagt bei dieser Gelegenheit die Hartherzigkeit der Verwandten und die Leichtfertigkeit, mit der die Welt ein solches Verhalten verurteilt; derlei Urteile entspringen freilich seinen eigenen moralischen Betrachtungen. Die nackten Tatsachen sind weitaus nüchterner: ein Zerwürfnis im Elternhaus, eine Bäckerlehre, unmäßige Ausgaben und ein Umgang, der ihn von seinem ehrsamen Gewerbe entfremdete.
Eines Tages brach Perkins mit einigen jungen Männern aus der Nachbarschaft auf, um zu zechen und sich zu vergnügen. Sie begaben sich nach Whitechapel und kehrten in einer kleinen Schenke ein. Während die Zechgesellschaft trank, zotige Lieder anstimmte und dem Müßiggang nachging, bemerkten die Wirtsleute das Fehlen einer Fünf-Schilling-Münze, die mit besonderen Erkennungszeichen versehen war. Man rief einen Gerichtsdiener nebst Gehülfen herbei, um die jungen Leute einzeln zu durchsuchen. Die bezeichnete Münze kam in Perkins’ Tasche zum Vorschein. Er wurde umgehend einem Magistrat vorgeführt und sodann in das Newgate-Gefängnis eingeliefert.
Bei den darauffolgenden Gerichtssitzungen schien der Tatbestand hinreichend erwiesen: Er wurde für schuldig befunden und zur Deportation verurteilt. Die Zeitspanne bis zu seiner Einschiffung bot ihm, wie der Chronist berichtet, reichlich Anlass, seine Lage zu überdenken und sein künftiges Verhalten abzuwägen. Zunächst kreisten seine Gedanken um das Unrecht, das er durch seine Familie erlitten zu haben glaubte; mit herannahendem Abreisetag jedoch trachtete er vor allem danach, sich die Gunst des Kapitäns zu erwerben, um den Härten der Überfahrt nach Möglichkeit zu entgehen. Perkins richtete sein Augenmerk somit klug auf das, was in seiner eigenen Macht stand: Anders als im Hause seines Vaters traf er auf dem Schiff auf einen Mann, dessen Wohlwollen seine Reisebedingungen merklich lindern konnte.
Seine gefällige und diensteifrige Art trug ihm an Bord gewisse Freizügigkeiten und Erleichterungen ein, die der Kapitän gewähren konnte, ohne seine Amtspflichten zu verletzen. Bei der Ankunft auf Jamaika wendete sich sein Schicksal jäh: Er wurde für zehn Pfund an einen Pflanzer verkauft. Die auf den Plantagen geforderte Fron überstieg seine Kräfte; der Bericht vermerkt, dass der Plantagenbesitzer ihn wie seine Sklaven schuften ließ und seine körperliche Konstitution dieser Erschöpfung kaum standhielt. Seine Kenntnisse des Bäckerhandwerks nützten ihm dort wenig. Schließlich veräußerte ihn der Herr an einen anderen Mann, der eigens einen Backofen errichten ließ, um ihn in seinem erlernten Gewerbe zu beschäftigen. Diese zweite Stellung knüpfte an die Fertigkeiten an, die Perkins in England erworben hatte; dennoch hielt es ihn auch bei diesem Meister nicht lange. Der Bericht lässt ausdrücklich offen, ob jener zweite Dienstherr tatsächlich grausam war oder ob Perkins jede regelmäßige Arbeit verabscheute, die seinem Hang zum Müßiggang zuwiderlief.
Er entfloh seinem Herrn und schlich sich heimlich an Bord eines Schiffes, das ihn nach Carolina brachte. Von dort aus schlug er sich, wie er später aussagte, nach Maryland durch, wo er auf einem nach England bestimmten Fahrzeug anheuerte. Er hatte somit keineswegs den direkten Weg zurück in den heimatlichen Hafen gewählt, sondern eine Kette mühseliger Umwege und wiederholter Einschiffungen auf sich genommen. Die Heimreise fand ein jähes Ende, als das Schiff von Spaniern aufgebracht wurde; er musste noch manche weitere Fährnis erdulden, ehe er englischen Boden betrat. Die Chronik nennt weder genaue Jahreszahlen noch Einzelheiten seiner Gefangenschaft und lässt diese beschwerliche Rückkehr ohne nähere Einzelheiten im Dunkeln. Seine Heimkehr vermochte das Urteil, das ihn einst in die Verbannung geschickt hatte, keineswegs aufzuheben. Er befand sich zwar wieder in seiner Heimat, doch stand er unter dem Schatten eines Spruchs, dessen Missachtung unweigerlich den Tod nach sich zog.
Nahezu zwei Jahre lang verdiente Perkins nach seiner Rückkehr seinen Lebensunterhalt als Bäcker. Der Chronist schreibt ihm für diese Zeit den festen Vorsatz zu, ein redliches Leben zu führen und den alten Lastern abzuschwören. Doch die stete Furcht vor Entdeckung quälte ihn unablässig und machte es ihm unmöglich, diesen Entschluss in Seelenruhe zu verfolgen. Schließlich fasste er den Plan, nach Ostindien zu entkommen. In Gravesend, wohin er gereist war, um sich einzuschiffen, schlug das Schicksal zu: Er wurde verhaftet.
Wegen ungesetzlicher Rückkehr aus der Verbannung vor Gericht gestellt, wurde er schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Die Chronik gibt weder den Namen dessen preis, der ihn wiedererkannt hatte, noch schildert sie die gerichtlichen Verhandlungen. Ihr Hauptaugenmerk gilt vielmehr der inneren Wandlung, die sich nach dem Urteilsspruch bei ihm vollzogen haben soll: Die Grundsätze einer guten Erziehung, die einst verschüttet schienen, hätten wieder die Oberhand über sein Gemüt gewonnen und ihn dazu bewegt, sich gänzlich der Barmherzigkeit Christi anzuvertrauen. Der Chronist beteuert, dieser Seelenfrieden habe bis zum Tage seiner Hinrichtung unvermindert angehalten und sei weder flüchtig noch geheuchelt gewesen. Perkins selbst soll erklärt haben, er sterbe mit geringerem Widerwillen, da sein Untergang niemanden außer ihm selbst ins Verderben stürze: Er hinterlasse keine Nachkommen, und seine junge Frau sei durchaus imstande, sich ihren Lebensunterhalt auf ehrliche Weise zu erwerben.
Am 5. Juli 1721 wurde Robert Perkins in Tyburn hingerichtet. So endete der Sohn des Gastwirts, dem vom väterlichen Reichtum nichts geblieben war, am Galgen – nach einer Jugend in der Lehre, dem Diebstahl einer Münze, der Zwangsarbeit auf den fernen Plantagen und einer heimlichen Rückkehr nach England. Fast zwei Jahre lang hatte er wieder in seinem Handwerk geschafft, doch die unaufhörliche Furcht vor Entdeckung trieb ihn zu einem neuerlichen Fluchtversuch, und der Zugriff der Häscher ereilte ihn, noch ehe er Gravesend verlassen konnte. Die Chronik schließt mit dem Verweis auf seine christliche Zuversicht und auf den Umstand, dass er keine Kinder hinterließ, denen seine Schande hätte zur Last fallen können. Jene Rückkehr, die es ihm erlaubt hatte, sein altes Gewerbe wieder aufzunehmen, war zugleich der Pfad, der ihn unmittelbar an den Galgen führte.
