Im Februar 1803 betrat Oberst Edward Marcus Despard das Schafott von Horsemonger Lane – umgeben vom Ruf eines Offiziers, der der Krone über dreißig Jahre lang gedient hatte. Den Verrat, für den er sterben sollte, erkannte er bis zuletzt nicht an. „Ich bin nicht schuldiger als ihr, die ihr mir zuhört“, rief er laut der Chronik Camden Pelhams der versammelten Menge zu. Um zu ermessen, wie dieser einstige Militäringenieur auf die Richtbank geriet, führt die Chronik über Jahrzehnte treuen Dienstes zurück bis in die Hinterstube eines Wirtshauses in Lambeth.
Despard trat 1766 in das Heer ein. Er diente auf den Antillen und in Mittelamerika, wo seine Laufbahn ihn zum Ingenieurwesen, zu Truppenkommandos und zu öffentlichen Bauten führte. Die Chronik schreibt ihm die Rückeroberung von Black River an der Moskitoküste zu, nachdem die dortigen Einwohner ihn erwählt hatten, um sie gegen die Spanier zu führen. Sie vermerkt, dass die Behörden von Jamaika sowie der König selbst ihm ihren Dank aussprachen. 1783 wurde er zum Oberst befördert; im darauffolgenden Jahr ernannte man ihn zum Bevollmächtigten für die Verwaltung des Territoriums von Honduras, das Spanien an Großbritannien abgetreten hatte.
Dieses Amt stellte ihn mitten in den Widerstreit widerstreitender Interessen. Ansässige Siedler warfen ihm Verfehlungen in der Amtsführung vor und sandten Beschwerden an die Ministerien. Despard kehrte nach Großbritannien zurück und verlangte eine gerichtliche Untersuchung. Pelham berichtet, Despard habe nach zwei Jahren des Bittgangs bei den Behörden erfahren, dass keine der Anschuldigungen als stichhaltig erachtet worden sei, das Amt des Superintendenten jedoch zugleich aufgehoben wurde. In seine vormalige Stellung wurde er dennoch nicht wieder eingesetzt. Die Chronik zeichnet diese Rückschläge als Quelle tiefen Grolls, ohne indes die Akten jener Untersuchung oder die Darlegung der honduranischen Kläger wiederzugeben.
In der Folge begann Despard, mit offener Bitterkeit über die Regierung zu sprechen. Während der zeitweiligen Aussetzung der Habeas-Corpus-Akte wurde er eine Zeit lang im Zuchthaus Coldbath Fields festgehalten. Nach seiner Freilassung schloss er sich mit Männern zusammen, deren Klagen Pelham zufolge weitaus geringfügiger waren als die seinigen. Die Polizei erwirkte schließlich einen Durchsuchungsbefehl und drang in das Wirtshaus Oakley Arms in der Oakley Street zu Lambeth ein.
Die Gerichtsdiener trafen Despard und rund vierzig weitere Personen in einem Zimmer an. Die Versammelten wurden den Magistraten zur Einvernahme vorgeführt. Nach Abschluss dieses Verhörs wurden Despard und zweiunddreißig seiner Gefährten in Erwartung ihres Prozesses in Horsemonger Lane inhaftiert. Eine außerordentliche Gerichtskommission wurde eingesetzt. Am 7. Februar 1803 trat Despard als erster unter der Anklage des Hochverrats vor die Schranken.
Der Generalstaatsanwalt trug vor, die Verschwörer hätten die feierliche Parlamentseröffnung zum Anlass nehmen wollen, die Person des Königs in ihre Gewalt zu bringen und ihn zu töten. Sie hätten Soldaten angeworben, den Neulingen einen Eid gegen den König abgenommen und diesen Eid vervielfältigt, um ihn zu verbreiten. Nach dem Anschlag sollten die Postkutschen abgefangen werden, um die Gesinnungsgenossen in den Provinzen in Kenntnis zu setzen; daraufhin sollte ein allgemeiner Aufstand losbrechen. So stellte die Anklage den Plan dar, und so behauptete Windsor, ihn vernommen zu haben. Diese Anschuldigungen werden von Pelham referiert; das eigentliche Protokoll der Sitzung teilt das Kapitel nicht mit.
Im Mittelpunkt der Verhandlung stand Thomas Windsor. Er gab an, sich der Gesellschaft angeschlossen zu haben, bald jedoch Verdacht gegen ihre wahren Absichten geschöpft zu haben. Er habe sich einem gewissen Mr. Bonus anvertraut, der ihm riet, unter den Mitgliedern zu verbleiben, um herauszufinden, ob Persönlichkeiten von Rang daran beteiligt seien. Windsor beschrieb den Eid, die Zusammenkünfte und Despards Äußerungen. Bei einem Treffen im Flying Horse zu Newington habe Broughton zwei Genossen zu einem „angenehmen Mann“ geführt: Despard. Dieser habe davon gesprochen, den Monarchen bei der Parlamentseröffnung anzugreifen; er habe ein „verhärtetes Herz“ und die Notwendigkeit des Königsmords wohl erwogen.
Windsor berichtete ferner von einer Zusammenkunft auf dem Tower Hill. Despard habe ihn aufgefordert, mit Männern dorthin zu kommen, die dem Bund beitreten wollten; es sollte über die Einnahme des Towers und seiner Waffenlager beraten werden. Wood, der im Park Wache stehen sollte, habe eingewilligt, auf die königliche Kutsche zu schießen. Die Behörden nahmen die Männer fest, ehe das Vorhaben ins Werk gesetzt werden konnte. In Pelhams Darstellung beruht der Nachweis des Plans somit allein auf den den Mitgliedern zugeschriebenen Worten und den Aussagen vor Gericht: Zu einem tätlichen Angriff auf den König war es nicht gekommen.
Despards Verteidiger, Serjeant Best und Mr. Gurney, fochten Windsors Glaubwürdigkeit an. Sie riefen Lord Nelson, Sir A. Clarke und Sir E. Nepean als Zeugen auf, die dem Angeklagten das Zeugnis eines pflichttreuen, tapferen Offiziers ausstellten. Diese Verteidigung stützte sich auf seinen Leumund; sie ging nicht im Einzelnen auf jede von Windsor geschilderte Szene ein. Nach der Zusammenfassung durch Lord Ellenborough sprachen die Geschworenen Despard schuldig, empfahlen ihn jedoch in Anbetracht seiner früheren Verdienste der königlichen Gnade. Die Prozesse gegen die Mitangeklagten schlossen sich an. Pelham berichtet, zwölf seien auf ähnliche Aussagen hin verurteilt worden, von denen drei der Barmherzigkeit des Königs anempfohlen wurden.
Als das Urteil über ihn gesprochen werden sollte, brach Despard sein bisheriges Schweigen. Er bestritt, Soldaten zur Verschwörung verleitet zu haben, und hielt den Geschworenen vor, sie hätten ihn auf die vorgelegten Beweise hin niemals verurteilen dürfen. Das für Hochverräter bestimmte Urteil wurde gefällt. Am Samstag, dem 19. Februar, ging im Gefängnis der Hinrichtungsbefehl für den darauffolgenden Montag ein. Die Vollstreckungsart war indessen gemildert worden: Von dem gesetzlich vorgesehenen Ausweiden der Verurteilten wurde Abstand genommen. Der Befehl galt Despard, Francis, Wood, Broughton, Wratton, Macnamara und Graham; drei weiteren Verurteilten – Newman, Tyndal und Lander – wurde ein Aufschub gewährt.
Die Nachricht von dem Befehl erreichte Despard in seiner Zelle. Er bemerkte, die Frist sei kurz bemessen, doch habe er ohnehin kaum darauf gerechnet, dass die Empfehlung der Geschworenen Gehör finden würde. Weder eine Fürsprache Nelsons noch eine Bittschrift an den König vermochten den Ausgang zu wenden. Seine Gattin, die Pelham zufolge aus der Bucht von Honduras stammte, war zunächst gebrochen, zeigte jedoch Haltung, als sie kam, um Abschied zu nehmen. Auch die Ehefrauen der anderen Gefangenen wurden vorgelassen. Im Morgengrauen des Sonntags errichteten Handwerker das Schafott auf dem Dach des Gefängnisses; Wachleute und Soldaten hielten Wache.
Am Montag, dem 21. Februar, wurden fünf der Verurteilten in die Kapelle geführt: Broughton, Francis, Graham, Wood und Wratton beteten mit dem Geistlichen Winkworth. Vor dem Empfang des Abendmahls räumten vier von ihnen ein, gefehlt zu haben, bestritten jedoch die Schwere der ihnen zur Last gelegten Taten. Graham beteuerte seine Unschuld an den Anklagepunkten, gab jedoch zu, an zwei Zusammenkünften teilgenommen zu haben. Der Geistliche zögerte, Francis das Sakrament zu spenden, da dieser beharrte, kein Verbrechen begangen zu haben; schließlich rang er ihm das Zugeständnis ab, wenigstens seine Anwesenheit bei den Treffen als Unrecht anzuerkennen. Despard und Macnamara wurden sodann aus ihren Zellen geführt, von den Eisen befreit und an den Armen gebunden. Beim Anblick der Schleife und des Hinrichtungsgeräts spottete der Oberst über diese „alberne Maskerade“.
Gegen halb neun Uhr erreichte der Zug das Gerüst. Macnamara, danach Graham, Wratton, Broughton, Wood und Francis wurden an den Galgen geführt. Despard trat als Letzter heran. Er bewahrte vollkommene Ruhe, während man ihm die Schlinge umlegte, und rückte, wie Pelham vermerkt, den Knoten selbst zurecht. Ehe die Falltür fiel, wandte er sich an das Volk. Er erinnerte an seine dreißig Dienstjahre, beteuerte seine Unschuld und klagte die Minister an, einen gesetzlichen Vorwand ersonnen zu haben, um ihn zu vernichten, weil er für Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit und die Armen eingetreten sei. Er schloss mit dem Wunsch, diese Grundsätze möchten über Tyrannei und Trug triumphieren. Der Chronist bemerkt, Despards Stimme habe für einen Augenblick gezittert, ehe er der Menge Gesundheit, Glück und Freiheit entbot.
Die Männer wurden gehängt und anschließend enthauptet, wie es die damalige Strafe für Hochverrat vorschrieb. Der Scharfrichter hielt das Haupt Despards dem Volk empor und rief es als das Haupt eines Verräters aus; die Menge antwortete mit Geheul und Zischen. Pelham schildert ein unübersehbares Publikum, das jedoch in Ruhe verharrte. Diese letzte Szene vermochte den Zwiespalt nicht zu tilgen, den das Urteil hinterließ: Geschworene hatten Despard für schuldig befunden und dennoch Milde erbeten, während er mit dem Bekenntnis seiner Unschuld auf den Lippen in den Tod ging.
