In der von der Gazette wiedergegebenen Anklageschrift nutzten die Nachbarn von Félix-Albert Pel am 17. Juli 1884 dessen Abwesenheit, um eine Leiter an seine Wohnung in Montreuil anzustellen. Eine der Frauen stieg bis zum Oberlicht empor. Sie gab an, ein mitten in den Raum gerücktes Bett, durcheinandergeworfene Matratzen und auf dem Boden verstreutes Chlorkalkpulver erblickt zu haben. Die Nachbarn hatten zuvor den Gestank verfaulenden Fleisches gemeldet; im Ofen wurden die braunen Rückstände als dick und feucht beschrieben. Élise Bœhmer, die mit Pel zusammenlebte, war verschwunden. Eine Leiche fand man nicht.
Zehn Monate später, am 11. Juni 1885, stand eben dieses Verschwinden im Mittelpunkt einer Sitzung des Schwurgerichts des Departements Seine. Die Gazette des Tribunaux beschreibt den Tisch der Beweisstücke: Phiolen, Gläser, Schachteln, Bücher, eine Säge, ein Messer und zwei kleine Öfen. Vierundfünfzig Zeugen sollten gehört werden. Schon am Morgen drängte sich das Publikum, während der Sicherheitsdienst nur Personen mit Einlasskarten in den Saal ließ. Kurz vor Mittag erschien Pel. Der Vorsitzende befragte ihn zur Person: Félix-Albert Pel, geboren am 12. Juni 1849 zu Grand-Cœur in Savoyen.
Die Anklageschrift führte zwei Hauptpunkte auf, die die Gazette beide auf Artikel 302 des Strafgesetzbuches zurückführte. Pel wurde zur Last gelegt, 1880 in Paris „vorsätzlich das Leben“ seiner Ehefrau Eugénie Buffereau „durch die Wirkung von Substanzen, welche den Tod herbeizuführen vermögen“, angegriffen zu haben; ferner 1884 in Montreuil durch dieselbe Wirkung vorsätzlich das Leben von Charlotte-Élisabeth, genannt Élise Bœhmer, angetastet zu haben. Dies waren die Worte der Anklage, kein Richterspruch. Die Verhandlung sollte die Berichte, die medizinischen Feststellungen und die Einlassungen des Angeklagten einander gegenüberstellen.
Das Blatt zeichnet zunächst Pels Lebensweg nach. Er war bei mehreren Uhrmachern in der Lehre gewesen und hatte sich 1869 in der Rue Rochechouart auf eigene Rechnung niedergelassen. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1873 fiel ihm ein Erbe zu, das die Gazette auf zwanzigtausend Francs beziffert. In der Folge wechselte er Wohnort und Beschäftigung, gab sich abwechselnd als Organist, Lehrer oder Arzt aus und befasste sich zugleich mit Physik und Chemie. Der Bericht erwähnt frühere Verdachtsmomente bezüglich Marie Mahoin und Eugénie Meyer, zweier Frauen, die bei ihm gewohnt hatten und erkrankt waren. Er stellt indessen klar, dass die Voruntersuchung keine hinreichenden Anhaltspunkte fand, um sie in die vor diesem Gericht erhobene Anklage aufzunehmen.
Eugénie Buffereau heiratete Pel am 26. August 1880. Am 20. Oktober sah sie sich veranlasst, ihre in Évreux wohnende Mutter herbeizurufen. Diese eilte zu ihrer Tochter und erkannte den Ernst ihres Zustands. Der Sitzungsbericht schildert Koliken, Erbrechen und verzehrenden Durst. Doktor Raoult, der am 12. Oktober gerufen worden war, vermutete zunächst eine Pilzvergiftung. Pel und seine Frau versicherten ihm, keine Pilze gegessen zu haben; daraufhin verordnete er ein Mittel gegen Magen-Darm-Entzündung. Eugénie verschied am 24. Oktober. Dem Bericht zufolge duldete Pel nicht, dass man den Leichnam ankleidete, und niemand durfte bei der Toten wachen. Eine gerichtliche Untersuchung wurde zwar erwogen, laut Zeitung jedoch abgewendet, um ein Ärgernis zu vermeiden.
Die Zweifel verstummten nicht. Am 23. Oktober 1884 wurde der Leichnam auf dem Friedhof von Clichy exhumiert. Die Gerichtsärzte Brouardel und Lhôte untersuchten die sterblichen Überreste sowie die Erde aus dem Sarg. Ihre chemische Analyse wies eine beträchtliche Menge Arsen in den Partien nach, die Unterleib, Leber und Nieren entsprachen; die Erdproben enthielten kein Arsen. Auch die von den Bestattern verwendete antiseptische Mischung wies keines auf. Pel erwiderte, seine Frau habe seit langem eine Arsenkur befolgt und namentlich Fowlersche Lösung eingenommen. Die Sachverständigen räumten ein, dass zu Heilzwecken verabreichte Arsensalze in den Eingeweiden nachweisbar bleiben können; doch berichtet das Journal, dass sie diese Erklärung angesichts ihrer Befunde nicht für stichhaltig erachteten. Diese den Akten beigegebenen Gutachten stellten noch keinen Urteilsspruch der Geschworenen dar.
Pel vermählte sich im Juli 1881 aufs Neue mit Angèle Murat-Belliole. Die Gazette berichtet, er habe die Mutter seiner neuen Gattin überdies ersucht, ein Testament zugunsten ihrer Tochter zu errichten. Diese Umstände verliehen der Anklage einen vermögensrechtlichen Hintergrund, bewiesen für sich genommen jedoch weder das Motiv noch die beiden Anklagepunkte. In der Verhandlung bestritt Pel die Vorwürfe. Seine zweite Ehefrau und die Schwiegermutter, die über mancherlei hätten Auskunft geben können, weilten in England und erschienen an jenem Tage nicht vor Gericht.
Die Geschichte der Élise Bœhmer nahm mit einer Uhr ihren Anfang. 1840 in Zweibrücken geboren, brachte sie Uhren zur Reparatur zu Pel, der damals in Nanterre tätig war. Sie lieh ihm fünfhundert Francs, streckte ihm weiteres Geld vor und veräußerte eine Obligation des Crédit Foncier. Sie vertraute ihm überdies Wertpapiere an. Der Bericht schätzt, dass er auf diese Weise über den Großteil ihrer Ersparnisse verfügte. Pel verließ Nanterre schließlich gemeinsam mit ihr und bezog am 21. Juni 1884 eine Wohnung in der Rue de l’Église zu Montreuil. Der Hauptraum diente als Werkstatt und Laden; ein Zimmer lag seitlich, und ein weiterer Ausgang führte auf den Hof.
Ein auf den 2. Juli datierter Brief aus Montreuil wurde in der Verhandlung verlesen: Élise drückt darin ihre Unruhe aus und kündigt an, sie wünsche ihre Briefpartnerin mündlich zu sprechen. Der Vorsitzende hielt vor, sie sei bereits krank gewesen, als sie die Zeilen schrieb; Pel entgegnete, sie sei von jeher kränklich gewesen. Die Erörterung wandte sich der Verschlimmerung ihres Leidens zu. Die Nachbarinnen Chesnel und Deven-Emus suchten sie auf. Nach ihren von der Gazette wiedergegebenen Aussagen litt Élise an Koliken, erbrach sich und klagte über Schmerzen und Durst. Pel behauptete, sie leide an Krebs, und er streue Chlorkalk aus, um den Krankheitsgerüchen zu wehren. Die Zeugen stimmten indessen weder über den Tag noch über die Beschaffenheit der wahrgenommenen Gerüche vollkommen überein.
Vom 15. Juli an bemerkten mehrere Bewohner des gemeinsamen Hofes einen Gestank, der sie an Fäulnis gemahnte. Einige gaben an, gewaltige Feuer in der Wohnung gesehen zu haben. Am 17. Juli, als Pel abwesend war, stiegen die Nachbarn zum Oberlicht empor. Die Frau Deven sah die Kammer in völliger Unordnung, das Bett zerwühlt, die Matratzen verrückt und das Chlorkalkpulver auf dem Boden verstreut. Die Asche im Ofen war feucht und bräunlich. In der von der Gazette referierten Anklageschrift wurden diese Rückstände und die Feuer als Indizien einer Verbrennung gedeutet; sie vermerkte gleichfalls, dass Élises Leichnam nie gefunden worden sei. Eine bei Pel beschlagnahmte Säge wies Spuren auf, die von den Experten als Säugetierblut und tierische Substanz bestimmt wurden. Bei Versuchen, von denen die Akten berichten, verbrannten sie in einem vergleichbaren Ofen einen Leichnam von sechzig Kilogramm: Vierzig Stunden waren dazu vonnöten, und sechs Kilogramm Asche blieben zurück. Diese Versuche bewiesen, was der Ofen zu leisten vermochte; den fehlenden Leichnam brachten sie nicht herbei.
Pel beharrte darauf, Élise habe ihn am 13. Juli verlassen. Er gab an, an der Droschkenstation der Vorstadt Saint-Antoine ein Fuhrwerk geholt zu haben; nach seiner Darstellung sei sie in den Wagen gestiegen, um zu einer Adresse zu fahren, die sie ihm nicht genannt habe. Er beteuerte, sie nie wiedergesehen zu haben. Das Chlorkalkpulver habe er wegen ihrer Krankheit in der Wohnung verstreut. Die Nachbarinnen hielten dem entgegen, sie hätten vor dem Hause keine Droschke warten sehen. Die Anklage hielt ihm ferner vor, dass sich in den geprüften Verzeichnissen keine Spur des von ihm beschriebenen Kutschers fand, ganz zu schweigen von dem Gestank, den Feuern und der nach dem Verschwinden beobachteten Unordnung. Pel bestritt diese Zeugnisse und hüllte sich bei gewissen Fragen in Schweigen. Die Zeitung lässt diese gegensätzlichen Versionen unvermittelt nebeneinanderstehen, ohne eine richterliche Entscheidung vorwegzunehmen.
Der Vorsitzende verweilte eingehend bei Pels Verhältnissen zu seinen Ehefrauen, seinen Schulden und den von Élise empfangenen Summen. Der Angeklagte berichtigte einzelne Beträge, beanstandete die Wortwahl der Anklage und zieh mehrere Berichte der Verleumdung. Sein Verteidiger, Maître Jolly, befragte den Zeugen und hob hervor, dass Pel stets emsig gearbeitet habe. Die Aussagen der Nachbarn und die medizinischen Gutachten waren bereits im Verhandlungsbericht der Voruntersuchung enthalten; sie wurden an diesem ersten Tag noch nicht alle vor Schranken wiederholt. Gegen Ende der Sitzung berichtete Sophie Reichembach, sie habe Pel kennengelernt, als er bei ihrer Mutter gearbeitet habe. Sie habe erlebt, wie diese erkrankte, und gab an, Pel habe davon gesprochen, einen Arzt beizuziehen, ohne dass sie vor dem Ende einen solchen habe eintreffen sehen. Maître Jolly befragte sie über Pels Gewohnheiten; sie antwortete, er sei damals sehr arbeitsam gewesen und habe sich mit Uhrmacherei und Chemie befasst.
Die Sitzung wurde um halb sieben Uhr aufgehoben. Die Fortsetzung der Zeugenvernehmung vertagte man auf den folgenden Tag. Élise blieb unauffindbar, und beide Anklagepunkte harrten noch der Beurteilung. Der Bericht vom 12. Juni bricht hier ab: Er vermeldet weder den Ausgang des Prozesses noch das Urteil. Die Anklage hatte Indizien und Erzählungen vorgebracht; dem Gericht stand das Verhör der Zeugen noch bevor. Der Leser verlässt Montreuil mit einer offenen Frage, nicht aber mit einer Antwort, die das Blatt zu jener Stunde noch nicht zu geben vermochte.
