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Justiz & Skandale · England

Das Duell auf dem Primrose Hill

Im April 1803 stand Kapitän James Macnamara wegen Totschlags vor Gericht, nachdem Oberst Robert Montgomery bei einem Duell auf dem Primrose Hill den Tod gefunden hatte. Borrow überliefert die Zeugenaussagen über einen Streit, der wegen zweier Hunde entbrannt war, sodann Macnamaras Verteidigungsrede sowie die Aussagen jener Offiziere, die für seinen Leumund bürgten. Die Geschworenen sprachen ihn nach etwa zwanzig Minuten frei.

Als die Verteidigung das Wort ergriff, bat Kapitän James Macnamara darum, seine Ausführungen im Sitzen vortragen zu dürfen. Seine Wunde verursachte ihm zu heftige Schmerzen, als dass er hätte stehen können. Das Gericht willigte sogleich ein. Mit leiser, bebender Stimme wandte er sich an die Geschworenen, die darüber zu befinden hatten, ob er Oberst Robert Montgomery bei einem Duell auf dem Primrose Hill getötet hatte.

Die Anklage bezog sich auf den Tod Montgomerys, der am 6. April 1803 im Kirchspiel St. Pancras durch eine Kugel in die rechte Flanke tödlich verwundet worden war. Das Verfahren wurde nicht wegen Mordes eröffnet: Macnamara legte dar, dass eine erste Grand Jury diesen Vorwurf nicht aufrechterhalten hatte. Er stand hier infolge einer Untersuchung des Coroners vor Gericht, angeklagt des »manslaughter«, was im Bericht ausdrücklich von »murder« geschieden wird; die englische Bezeichnung deckt sich nicht vollkommen mit der fahrlässigen Tötung. Er bemerkte, die Untersuchung sei vor dem Leichnam geführt worden, ohne dass er selbst sich dazu habe äußern können, was ihn zu jenem Waffengang getrieben hatte. Mr. Knapp legte den Geschworenen die entscheidende Frage vor: Hatte Montgomery sein Leben durch jenen Pistolenschuss verloren, den Macnamara bei ihrer Begegnung auf der Anhöhe abgefeuert hatte? Bejahe man dies, so der Anwalt, müsse der Urteilsspruch auf schuldig wegen »manslaughter« lauten. Knapp erinnerte jedoch daran, dass beide Männer in hohem Ansehen gestanden hätten: Macnamara habe seinem Vaterlande mit Tapferkeit gedient, und Montgomery habe die Zuneigung aller verdient, die ihn kannten. Er verlange von den Geschworenen nicht, zwischen zwei Auszeichnungen zu wählen, sondern jenen Schuss und jenen Tod nach dem Recht zu beurteilen.

Der Zwist hatte seinen Anfang im Hyde Park genommen, zwischen vier und fünf Uhr nachmittags. Oberst Montgomery ritt dort in Begleitung von William Sloane und dessen Bruder Stephen aus. Ein Neufundländer begleitete den Oberst; ein weiteres Tier derselben Rasse folgte einer Gruppe berittener Herren. Die Hunde gerieten aneinander. Montgomery stieg vom Pferde, um sie zu trennen, und fragte sodann, wem das andere Tier gehöre. Macnamara erwiderte, es sei das seine.

William Sloane hörte den Oberst sagen, er werde den Hund schlagen, falls er den seinen angreife. Macnamara fragte ihn, ob er es wage, sein Tier dergestalt zu bedrohen. Der Oberst wiederholte, er werde zuschlagen, wenn dieser Hund auf den seinen losgehe. Das Wort »Anmaßung« fiel sodann im Wortwechsel. Sloane erinnerte sich, dass Macnamara diesen Ausdruck mehrfach gebrauchte; er hörte auch, wie Montgomery, als er erfuhr, dass er es mit einem Marineoffizier zu tun hatte, entgegnete, man wisse, wo er zu finden sei, falls man sich gekränkt fühle. Im Kreuzverhör stellte Sloane klar, er sehe keinerlei Anlass zu der Annahme, Macnamaras Hund sei dazu angestiftet worden, den des Obersten anzufallen.

Stephen Sloane erinnerte sich an eine noch schärfere Erwiderung Macnamaras: Sollte Montgomery seinen Hund schlagen, so müsse er hernach auch ihn schlagen. Doch berichtete er zugleich, der Oberst habe erklärt, ein öffentlicher Park sei nicht der Ort zur Austragung eines Streits, und habe seinen Namen genannt. Montgomery versicherte, er wolle sein Gegenüber mit der Verteidigung seines Hundes keineswegs beleidigen. Macnamara erwiderte, er fühle sich durch diese Bemerkung nicht gekränkt; sei jedoch eine Beleidigung beabsichtigt, so werde er sie mit der größten Bereitwilligkeit aufnehmen.

Lord Buckhurst stieß erst nach Beginn des Streits zu der Gruppe. Er vernahm, wie Macnamara die Art, in der Montgomery zu ihm sprach, als anmaßend bezeichnete. Der Oberst fragte ihn, ob er sich verletzt fühle. »Nein, nicht durch das, was Sie sagten«, erwiderte Macnamara, fügte jedoch hinzu, er werde auf jede Äußerung reagieren, die darauf abziele, ihn herauszufordern. Er schwang dabei seinen Stock, doch hielt Buckhurst dies für eine unwillkürliche Regung des Zorns und keineswegs für eine beleidigende Gebärde.

William Sloane verabschiedete sich am oberen Ende der St. James’s Street von Montgomery und sah dann, wie die Gruppe um Macnamara umkehrte. Auch er wandte sich um und schloss sich mit seinem Bruder wieder dem Oberst an. Später erblickte er Macnamara in der Jermyn Street. Montgomery befand sich etwa dreißig Schritt von der St. James’s Church entfernt, als ein Mann, den Sloane für Kapitän Barry hielt, von Macnamara wegtrat, um mit dem Oberst zu sprechen; Sloane sah ihn nicht zurückkehren. Die beiden Parteien fanden sich hernach auf dem Primrose Hill ein, begleitet von ihren Sekundanten und einem Wundarzt.

Bei Chalk Farm sah der Weinhändler James Harding gegen halb sieben Uhr die Gruppe den Hügel hinaufsteigen. Barry wies den Bediensteten an, ein Futteral aus dem Wagen zu holen. Aus einer Entfernung von etwa sechsundvierzig Metern beobachtete Harding, wie Sir William Keir und Barry die Pistolen herrichteten. Ein Schuss fiel, um die Waffe zu prüfen. Die beiden Kontrahenten traten auseinander, stellten sich einander in einem Abstand von etwa fünfeinhalb Metern gegenüber und feuerten fast im selben Augenblick. Montgomery stürzte zu Boden; Macnamara blieb aufrecht stehen.

Harding trat näher heran. Montgomery lag ausgestreckt; der Wundarzt Heaviside öffnete seinen Rock und untersuchte die Verwundung an der rechten Flanke. Er leistete ihm Beistand, ehe er sich Macnamara zuwandte. Harding glaubte zu vernehmen, dass auch dieser verwundet sei und dass ein Aderlass erforderlich werde. Harding half dabei, den Oberst nach Chalk Farm zu schaffen. Seine Augen waren starr; er stöhnte noch. Später erblickte Harding ihn leblos auf einem Bett.

Macnamara bat die Geschworenen nunmehr zu bedenken, was ihn nach seiner Auffassung zu jenem Waffengang getrieben hatte. Er beteuerte, den Platz weder aus Groll noch aus Tötungsabsicht betreten zu haben. In seinen Augen stellten die vor Zeugen wiederholten Worte Montgomerys eine Herausforderung dar, der sich ein Offizier nicht entziehen durfte, ohne seine Ehre einzubüßen. Er wisse wohl, so räumte er ein, dass Religion und Vernunft den Gehorsam gegen das Gesetz geböten; doch bat er die Geschworenen zu ermessen, welches Gewicht jenem Ansehen zukomme, von dem die Autorität eines Kapitäns abhänge, der berufen sei, Männer in die Gefahr zu führen. Er habe gehofft, eine gütliche Erklärung zu erlangen, nicht aber, beider Leben dem Schusswechsel preiszugeben.

Macnamara schilderte überdies ein Ungleichgewicht zwischen beiden Männern. Montgomery, so führte er aus, sei in London wohlbekannt und durch zahlreiche Verbindungen geschützt gewesen; er selbst hingegen habe sich nach einem Leben im Dienste auf fernen Meeren in dieser Stadt beinahe wie ein Fremder befunden. Er habe die Gerüchte gefürchtet, die von Mund zu Mund gingen und mit jeder Erzählung wüchsen. Die Weigerung, sich dem Duell zu stellen, wäre schneller verbreitet worden als seine Rechtfertigung. So jedenfalls stellte er den Geschworenen jene Bedrohung dar, der er sich habe erwehren wollen.

Um seine Angaben über seinen Charakter zu bekräftigen, ließ Macnamara mehrere Offiziere aufrufen, die ihn zur See und im Privatleben kennengelernt hatten. Als sein Verteidiger Lord Hood fragte, ob der Angeklagte ein verdienter Offizier sei, unterbrach Richter Heath: Verdienste im Dienste beantworteten nicht die gestellte Frage. Erskine fasste die Frage neu und erkundigte sich stattdessen, was Hood über die allgemeine Führung des Angeklagten zu sagen wisse. Hood beschrieb ihn daraufhin als einen besonnenen Mann und einen Gentleman, den er 1794 befördert habe.

Nelson erklärte, er kenne Macnamara seit neun Jahren und habe mit ihm gedient. Er halte ihn für einen schätzenswerten Offizier, der eine Beleidigung nicht ungeahndet hinnehmen würde; dennoch habe er in all dieser Zeit weder gesehen noch gehört, dass Macnamara je einen Mann, eine Frau oder ein Kind beleidigt hätte. Lord Hotham, der ihn seit 1794 kannte, nannte ihn in jeder Lage tadellos und bezeichnete ihn als den trefflichsten Gefährten, den man sich wünschen könne. Lord Minto, der von 1783 bis Anfang 1797 mit ihm verkehrt und an Bord seines Schiffes gefahren war, erinnerte sich an einen heiteren, wohlwollenden Mann, der keinen Hader suchte. Sir Hyde Parker trennte seine eigenen Wahrnehmungen von fremdem Hörensagen: Er habe Macnamara nie als streitsüchtig erlebt, obgleich er gewusst habe, dass jener sich keine Schmähung gefallen ließe. Auch Sir Thomas Trowbridge versicherte, er habe bei ihm niemals den geringsten Hang zu Streitigkeiten bemerkt.

Nach der Ansprache des Richters Heath zogen sich die Geschworenen zurück. Sie blieben etwa zwanzig Minuten abwesend. Nach ihrer Rückkehr verkündete der Obmann das Urteil: nicht schuldig.

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Vollständige Einsichtnahme in das lokale OCR-Segment, beschränkt auf das Kapitel »CAPTAIN MACNAMARA, FOR MANSLAUGHTER, 1803«, S. 444–450; das darauffolgende Kapitel blieb unberücksichtigt. Es wird kein Rückgriff auf die Originalakten oder den gesamten Band beansprucht. Die Darstellung unterscheidet streng zwischen den Zeugenaussagen von Sloane, Buckhurst und Harding, der Verteidigung Macnamaras und den Leumundszeugnissen seiner Vorgesetzten.

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