Das Schiff lag vor Gravesend vor Anker. Richard Gould, den Camden Pelham auch unter dem Namen Arthur Nicholson führt, sollte nach seinem Freispruch vom Vorwurf des Mordes an John Templeman nach Sydney aufbrechen. Ein Urteilsspruch hatte ihn soeben dieser Anklage entzogen; das Angebot einer Überfahrt eröffnete ihm gar die Aussicht auf ein freiwilliges Exil. Doch als das Fahrzeug im Begriff stand, die Anker zu lichten, wurde eine Belohnung von zweihundert Pfund für die Ergreifung der Schuldigen ausgesetzt. Gould wurde festgenommen. Wegen Mordes durfte er kein zweites Mal vor Gericht gestellt werden: Die Anklage, die ihn erneut vor die Geschworenen brachte, lautete auf Einbruchdiebstahl.
Der Greis lebte allein in Pocock’s Fields nahe Barnsbury Park in einem bescheidenen Haus von zwei Zimmern. Er zählte etwa siebzig Jahre und bezog ein kärgliches Einkommen aus den Mieten von ein oder zwei Häusern in Somers Town. Am Montag, dem 16. März 1840, hatte er den Rundgang bei seinen Mietern vollendet und sechs Pfund eingenommen, vornehmlich in Silbermünzen; ein halber Sovereign vervollständigte den Betrag. Nach seiner Rückkehr trug er Mrs. Thornton, seiner Nachbarin und Aufwärterin, den Kauf einiger Bedarfsgegenstände auf und zog sich gegen sechs Uhr abends zurück.
Pelham führt als Beweggrund den Ruf des Geizes an, der Templeman vorauseilte, sowie dessen Gewohnheit, von seinen Reichtümern zu sprechen. Er zitiert hierbei jedoch kein Geständnis, in dem der Angeklagte seine Tat selbst mit solchen Äußerungen begründet hätte. Diese Unterscheidung ist wesentlich: Der Chronist verknüpft eine Lebensweise nachträglich mit dem Verbrechen, während die an jener Nacht vereinnahmten Beträge und die erbrochene Geldkassette greifbare Gegenstände der Untersuchung bilden. In einer Gegend kleiner Häuschen mochten Mieteinnahmen einem Begehrlichen beträchtlich scheinen; sie genügen für sich allein nicht, um die Absicht eines nächtlichen Besuchers zu ergründen, den noch niemand identifiziert hatte.
Am folgenden Morgen begab sich die Tochter von Mrs. Thornton mit den Einkäufen zum Haus. Sie klopfte an, rief nach Templeman und erhielt keine Antwort. Ihre Mutter trat heran und blickte durch das Kammerfenster. Der Leichnam lag am Boden. Statt unverzüglich die Polizei zu verständigen, wartete Mrs. Thornton auf ihren Schwiegersohn Capriani, der als Nachtwächter am Theater Sadler’s Wells tätig war. Dieser kehrte um elf Uhr heim und eilte sogleich zum Enkel des Verstorbenen, einem Solicitor in der Mortimer Street. Erst nach dessen Eintreffen wurde die Obrigkeit herbeigerufen.
Pelhams rückblickender Bericht beschreibt ein Bild der Verwüstung. Die Hände des Greises waren vor der Brust gefesselt, die Augen mit einem blutbefleckten Strumpf verbunden; das Bett war von Blut getränkt, die Schubladen aufgebrochen, die Kassette, in welcher er sein Geld verwahrte, geleert. Wunden an Kopf und Antlitz zeugten von wuchtigen Schlägen. Eine Scheibe des Wohnzimmers war zertrümmert worden, nachdem man den Außenladen aufgebogen hatte; ein Arm vermochte alsdann den inneren Riegel zu erreichen. Diese Befunde wiesen den Ermittlern einen mutmaßlichen Zugang und einen unbestreitbaren Raub nach, ließen jedoch vorerst im Dunkeln, wer die Schwelle überschritten hatte.
Das Zögern Caprianis erregte Argwohn. Man setzte ihn fest; die Verhöre entlasteten ihn jedoch, und er wurde auf freien Fuß gesetzt. Daraufhin wurden John und Mary Ann Jarvis gemeinsam mit Gould arretiert. John Jarvis erlangte rasch die Freiheit wieder; die offenkundige Vertrautheit zwischen Gould und Mrs. Jarvis reichte nicht hin, um die Frau in Haft zu behalten. Der Bericht des Prozesses wie auch die weitere Chronik vermengen Zeugenaussagen mit den scharfen moralischen Wertungen ihres Verfassers. Es gebietet mithin die richterliche Vorsicht, den Geschworenen das zu belassen, was sie tatsächlich befanden, und eine Anklage keineswegs mit einem Schuldspruch wegen Mordes gleichzusetzen.
Gould hatte als Gehilfe in Schankwirtschaften des East End und Islingtons gedient. Zeitweise wohnte er bei den Allens, in der Nachbarschaft Templemans. Vor den Schranken des Gerichts am 14. April schrieben ihm Zeugen frühere Äußerungen zu: Er habe von einem wohlhabenden alten Mann gesprochen, von einer Fünfzig-Pfund-Note in einer Schublade und von einer Summe, die zum Greifen nahe liege. Andere berichteten, er habe von einem Dietrich und einer Blendlaterne gesprochen, um einem alten Mann in einer abgelegenen Kate aufzuwarten. Dies sind die Worte, die Pelham den Zeugen in den Mund legt; das Verhandlungsprotokoll wird in der Chronik nicht vollständig wiedergegeben.
Die Familie Allen belehrte die Geschworenen über die Mordnacht. Gould habe das Haus zwischen acht und neun Uhr abends verlassen, ohne die Morgenmahlzeit eingenommen zu haben; gegen drei Uhr morgens sei er heimgekehrt. Tags darauf habe er eine halbe Stunde im Waschhaus zugebracht, ehe er ausging, um gegen sieben Uhr abends zurückzukehren. Als die Kunde vom Morde laut wurde, fragte er, ob Templeman sich nicht selbst entleibt haben könne. Mr. Allen bemerkte an seinen Füßen ein neues Paar Schuhe, von denen Gould behauptete, sein Vetter habe sie ihm überlassen. Später fand die Polizei im Gebälk des Waschhauses verborgenes Geld; die Stückelung der Silbermünzen entsprach jener, die Templeman von seinen Mietern empfangen hatte.
Diese Indizien wogen schwer, doch die Geschworenen sprachen Gould frei. Die Menge, welche die Zugänge des Gerichtsgebäudes füllte, verlieh ihrer Entrüstung lautstark Ausdruck. Die Sheriffs nahmen den Freigesprochenen in Schutzhaft, und er verblieb im Compter, bis sich der Aufruhr gelegt hatte. Alderman Pirie erbot sich sodann, ihn auf seinem eigenen Fahrzeug nach Sydney zu verschiffen. Pelham deutet dieses Anerbieten als einen Akt des Mitleids, den Gould schändlich missbraucht habe; dieses Urteil verbleibt die Auslegung des Chronisten. Verbürgt ist nach dessen Bericht, dass Gould einwilligte und zu Gravesend an Bord der Elizabeth ging.
Noch ehe er den englischen Boden verlassen hatte, setzte die Regierung zweihundert Pfund für Auskünfte über das Verbrechen aus. Sergeant Otway ward zu ihm gesandt. Gould willigte in eine Aussage ein, verlangte jedoch, dass ihm ein Teil der Beute zugesichert werde, um den Verlust seiner Überfahrt auszugleichen. Tags darauf trat ein neuer Haftbefehl in Kraft, diesmal wegen Beteiligung am Einbruch in das Haus Templemans. Nach Bow Street verbracht, forderte er seine Freilassung als Preis für weitere Enthüllungen, was ihm verwehrt wurde. Am 11. Mai gab er eine Erklärung ab, in der er John und Mary Ann Jarvis bezichtigte.
Nach dieser Schilderung Goulds sei der Raub zuvor beredet worden; Jarvis habe ein durchbohrtes Holzstück gefertigt und sei mit ihm in das Haus eingedrungen. Jarvis habe Templeman geschlagen, gefesselt und erneut traktiert, als der Greis seine Peiniger erkannte. Gould selbst habe die Flucht ergriffen. Er legte dar, wie das Geld versteckt, wie eine Laterne in ein Wasserbecken geworfen und wie mit Mrs. Jarvis Stiefel erworben worden seien. Dieses Bekenntnis fügte den Akten eine neue Gewaltszene hinzu; als schlichtes Geständnis durfte es freilich nicht gelten, da es offenkundig darauf abzielte, die Hauptschuld den Eheleuten Jarvis zuzuschieben.
Pelham berichtet, die Anschuldigungen gegen die Jarvis seien sogleich widerlegt worden; ein Verdacht ließ sich nicht erhärten. Gleichwohl bestätigten Nachforschungen bezüglich der Laterne und des Schuhwerks wesentliche Einzelheiten von Goulds eigener Tatbeteiligung. Da die erste Anklage wegen Mordes mit einem Freispruch geendet hatte, durfte ihn die Justiz wegen desselben Delikts nicht abermals belangen. Die Verwandten Templemans strengten daher ein gesondertes Verfahren wegen Einbruchsdiebstahls an. Die Trennung der Klagepunkte zeitigte hierbei rechtlich bindende Wirkung: Der Ausgang des zweiten Prozesses tastete das Verdikt des ersten nicht an.
Am 22. Juni erschien Gould erneut vor dem Central Criminal Court. Die Anklagebehörde stützte sich auf die vormaligen Beweise, ergänzt um die Tatsachen aus seiner eigenen Erklärung. Die Geschworenen befanden ihn des gewaltsamen Einbruchs für schuldig. Baron Parke bemerkte, es könne kein Zweifel an seiner Schuld am Tode des Greises walten, und verurteilte ihn zur lebenslangen Deportation. Diese richterliche Würdigung, wie sie Pelham überliefert, ändert indes nichts an der Rechtskraft des früheren Spruchs: Die Geschworenen hatten Gould vom Mord freigesprochen und ihn erst hernach des Einbruchs überführt.
Im Gefängnis unternahm Gould mit einem Mitgefangenen einen Ausbruchsversuch, der vereitelt wurde. Bei der Verkündung des Urteils schwand, so der Chronist, seine Zuversicht; Bestürzung ergriff ihn. Er ward außer Landes geschafft, nachdem er abermals vergeblich versucht hatte, seinem Schicksal zu entrinnen. Hier bricht der Bericht ab. Für Templeman gibt es weder eine Wiederkehr noch eine narrative Genugtuung: Er bleibt der alte Mann, dessen Tür erbrochen ward, dessen Ersparnisse schwanden und für dessen Ermordung Gould – ungeachtet der Gewissheit des Richters und des Chronisten – von keinem Geschworenengericht verurteilt worden ist.
