Im Gefängnis von Newgate verweilte der kleine Knabe von Mrs. Maycock an der Seite von John Stanley und schlief, so berichtet die Chronik, unablässig in dessen Armen ein. Seine Mutter war durch Stanleys Hand umgekommen; das Todesurteil sollte das Kind alsbald von seinem Vater scheiden. Diese Szene beschließt den Lebensweg eines einstigen Offiziers, der, nachdem er mehrere Stellungen leichtfertig aufgegeben hatte, die Frau tötete, mit welcher er dieses Kind gezeugt hatte.
John war der Sohn eines Armeeoffiziers. Seine Mutter war die Schwester des Herrn Palmer aus Duce Hill in Essex. Der Chronist versichert, der Vater habe den Knaben bereits im Alter von fünf Jahren den Degen führen, parieren und ausfallen lassen; er selbst habe ihn mit der Spitze gestochen und andere Offiziere ermuntert, dasselbe Spiel mit ihm zu treiben, auf dass er die Klinge nimmermehr fürchte. Der Berichterstatter verurteilt dieses Verfahren und erblickt darin den Keim des späteren Unheils.
Der junge Stanley diente hernach an der Seite seines Vaters in den Feldzügen in Spanien und Portugal. Die Chronik vermerkt, er habe schwere Mühsale erduldet und nach den Gefechten ein Wohlgefallen daran gefunden, die auf den Schlachtfeldern zurückgebliebenen Leichen zu zertreten. Sie verknüpft solcherart die frühe Fechtschulung seiner Kindheit mit einem Soldatenleben, dessen rohe Gewalt sich bis in die Stunden nach dem Kampf erstreckte. Der Vater kehrte mit ihm nach England zurück. Dort ward jener in Newgate eingekerkert, nachdem er – so die Chronik – einen nahen Verwandten des Lord Newbury mit dem Degen verwundet hatte.
Später begnadigt und nach Irland entsandt, nahm der Offizier seinen Sohn mit sich und verschaffte ihm eine Fähnrichstelle in einem Regiment. Der junge Mann geriet alsbald an verschwenderische Gesellen, unter denen sich, wie der Verfasser bemerkt, Persönlichkeiten von hohem Stande befanden. Manche von ihnen suchten ihn noch heim und standen ihm bei, als er selbst in Newgate einsaß. Der kostspielige Aufwand, zu dem dieser Umgang ihn verleitete, brachte ihn indessen dazu, sein Patent gegen bares Geld zu veräußern, was seinem Vater tiefen Kummer und schwere Sorge bereitete. Der Bericht zeichnet das Bild eines Sohnes, der durch den Einfluss der Familie wohl eine Stellung zu erlangen vermochte, diese Bahn jedoch verließ, um den gewohnten Prunk nicht missen zu müssen.
Nach London zurückgekehrt, verschmähte er den Beistand, den ihm sein Vater beim General Stanhope, einem alten Gönner des Hauses, zu erbitten riet. Er zog es vor, von den Zuwendungen seiner Freunde, vom Würfelspiel und von den Gunstbezeugungen der Frauen zu zehren. Einem jungen Grundbesitzer aus Yorkshire diente er als Führer durch Flandern und Holland, wo er sich verständig über das Festungswesen ausließ; in Paris erlernte er mit beachtlicher Gewandtheit die Fechtkunst. Die Chronik bringt diese Fertigkeit mit seiner raschen Händelsucht in Verbindung, wenngleich dieser Kausalzusammenhang der Deutung des Erzählers entspringt.
Unter den Frauen, mit denen er verkehrte, wandte er sich namentlich Mrs. Maycock zu, deren Gemahl ein angesehener Kaufmann an Ludgate Hill gewesen war. Sie schenkte ihm mehrere Kinder, und der Chronist hebt hervor, dass er eines davon, einen kleinen Jungen, ganz besonders ins Herz geschlossen hatte. Der Verfasser behauptet, Stanley habe eine Zeit lang mit ihr wie mit einer Gattin zusammengelebt und seine eigene Mutter dazu bewogen, sie in diesem Stande zu besuchen. Späterhin erachtete er den Umgang Maycocks mit anderen Männern als Verrat, wiewohl er sich selbst keineswegs anderer Liebschaften enthielt. Dieses Urteil offenbart vor allem jene Zwiespältigkeit, die ihm der Bericht zur Last legt: Er maß sich eine Freiheit an, die er bei der Frau, die er zu lieben vorgab, nimmermehr duldete.
Ein ansehnliches Patent im Dienste der Afrikanischen Kompanie sollte ihm einen neuen Lebensabschnitt eröffnen. Sein Vater hatte es für ihn erwirkt; Stanley empfing eine bedeutende Summe zur Bestreitung der Reise und schien wohlgemut, was seiner Familie neue Hoffnung einflößte. Als er sich jedoch zu Portsmouth einschiffen sollte, traf Maycock mit ihrem Kinde daselbst ein. Dem Bericht zufolge brachte sie ihn dazu, ihr die Hälfte der Gelder der Kompanie zu überlassen. Mit dem verbliebenen Rest kehrte Stanley nach London zurück, mied indessen das väterliche Haus. Als der Vater erfuhr, dass sein Sohn die Unternehmung fahrengelassen hatte, brach er vor Schmerz zusammen und verschied kurz darauf. Der Text schreibt diesen Tod dem Gram zu, ohne einen ärztlichen Befund anzuführen. Er fügt hinzu, dass Stanley bei dieser Kunde von bitterem Schmerz und Zorn ergriffen worden sei; Weggefährten vermuteten, diese Erschütterung habe seinen Geist dauerhaft verwirrt.
Vor Gericht gedachten Zeugen seiner jähen Wutausbrüche, auf die stets flehentliche Bitten um Verzeihung folgten, sowie eines Vorfalls im Hause Underhills, wo er versucht haben soll, sich selbst ein Leid anzutun, nachdem er die versäumte Gelegenheit beweint hatte, das Lateinische zu erlernen. Wie die Geschworenen diese Aussagen wogen, lässt die Quelle im Dunkeln.
In der Folge schildert die Chronik einen Mann von dürftigen Mitteln, der sich an fremde Tafeln drängte und dort Händel anstiftete, die bis zum Ziehen des Degens reichten. Als Maycock ein Haus am Old Bailey frequentierte, mutmaßten manche, sie empfange dort andere Männer; der Verfasser bemerkt selbst, dies sei gemutmaßt worden – vielleicht zu Recht –, was jedoch keine Gewissheit begründet. Eines Nachts erblickte Stanley sie in der Fleet Street in Begleitung eines Mannes und einer Frau. Er trat hinzu; sie erkannte ihn, und sie gingen gemeinsam zu ihrer Behausung am Old Bailey. Die Quelle berichtet von einem heftigen Wortwechsel über das Unheil, das sie einander zugefügt hätten: Sie warf ihm vor, sie verführt und in ein elendes Dasein gestürzt zu haben; er hielt ihr vor, sie habe seine Abreise an die afrikanische Küste vereitelt und ungeheure Summen durchgebracht, während er sie zugleich ihrer Buhlschaften mit anderen zieh.
Stanley behauptete, Maycock habe während des Streites einen Becher Bier nach ihm geschleudert. Nach gegenseitigen Schmähungen zog er den Degen und stieß ihr die Klinge in die Brust, wodurch er ihr eine tiefe Wunde beibrachte; alsdann presste er ein Tuch auf die Wunde. Er ward rasch überwältigt und ins Gefängnis geführt. Die Chronik berichtet, er habe damals kaum Reue gezeigt, vielmehr gescherzt und eine zur Schau getragene Zuversicht an den Tag gelegt, ehe man ihn nach Newgate überstellte.
Im Kerker sprach er unablässig von seinen Liebschaften und den Gunsterweisen, die ihm von Damen von Stande zuteilgeworden sein sollten. Die Chronik hegt den Verdacht, er habe eine größere Verrücktheit vorgeheuchelt, als tatsächlich vorlag, um das Urteil zu seinen Gunsten zu lenken, erbringt hierfür jedoch keinen Beweis. In der Verhandlung gebärdete er sich auf eine Weise, die der Verfasser befremdlich fand; als er sein Todesurteil vernahm, schnupfte er Tabak und nahm ein Wesen an, das die Umstehenden empörte. Nach Verkündung des Urteils wettete er gar, man werde ihn nicht hängen, und deutete andere Wege an, der Hinrichtung zu entgehen. Als jedoch jede Hoffnung auf Rettung schwand, trat, wie die Chronik berichtet, ein Umschwung in seinem Verhalten ein.
Seine Freunde erboten sich, eine beträchtliche Summe zusammenzubringen und ihren Einfluss geltend zu machen, mussten ihm jedoch schließlich eröffnen, dass nichts ihn mehr zu retten vermöge. Das Kind weilte fortwährend bei ihm; als Stanley vom Tode des Bruders der Maycock erfuhr, soll er seinem Schmerz mit den Worten Ausdruck verliehen haben, er sei der unseligste aller Menschen. Wenige Tage vor der Hinrichtung gestand er einem Freunde, er halte es nunmehr für eine falsche Tapferkeit, sich der gesetzmäßigen Strafe durch Selbstmord zu entziehen. Er bereue seine früheren Worte und finde Ruhe in dem Entschluss, dem Urteil nicht auszuweichen.
Nach einer Predigt am Sonntag vor dem Richtfeste bedauerte er noch, nicht das ganze Haus in Brand gesteckt zu haben, worin Maycock verblutet war. Ob dieser Rede zur Rede gestellt, soll er sie als ungebührlich verworfen und jenen Einbildungen zugeschrieben haben, die ihn bisweilen übermannten.
Nach Tyburn ward er in einer Trauerkutsche geleitet. Er erbleichte, klagte über Übelkeit und bat darum, gestützt zu werden. Er begehrte, man möge ihm die Fesseln lösen, um auf den Knien beten zu können; dieser Bitte ward, so die Chronik, nur mit Mühe willfahrt. Er betete mit Inbrunst, und als ihm die Kappe über die Augen gezogen ward, schien er reichlich Tränen zu vergießen. Vor seinem Tode bat er darum, seinen Leichnam den Anverwandten nicht zu verwehren, damit sie ihn christlich bestatten könnten. Am 23. Dezember 1722 ward er – nach den Worten des alten Berichts – in seinem fünfundzwanzigsten Lebensjahre hingerichtet. Das Kind, das er hinterließ, hatte erst die Mutter, sodann den Vater verloren. Die Chronik schließt mit der Verurteilung von Stanleys Leidenschaften und beklagt jene Gaben, die er zu besserem Zwecke hätte gebrauchen können.
