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Justiz & Skandale · England

Tibi soli – Dir allein

London, 1705–1707. Robert Fielding wähnt sich bei der Trauung mit einer vermögenden Witwe, doch es ist Mary Wandsworth, die deren Namen und Gestalt annimmt. Nur wenige Wochen später führt er Barbara, Duchess of Cleveland, vor den Altar. Das Old Bailey spricht ihn schuldig: Briefe, Priester und Ring beweisen die erste Ehe; ein zweifelhafter Nachtrag im Register des Fleet-Gefängnisses vermag sie nicht aufzuheben.

Der Priester fragt Robert Fielding, ob er diese Frau zur Ehefrau nehmen wolle. Mary Wandsworth zögert; Fielding flüstert ihr zu, sie solle antworten: »von ganzem Herzen und mit ganzer Seele«. Sie spricht die Worte nach. In einem verschlossenen Gemach wird ihr ein Ring an den Finger gesteckt, vor den Augen einer Kupplerin und eines Mannes in langem Gewand, mit Pelzmütze und Bart. Am folgenden Morgen nennt Fielding Wandsworth seine Frau. Wenige Wochen später vermählt er sich mit der Duchess of Cleveland.

Vor dem Old Bailey bestreitet Fielding am 4. Dezember 1706 die zweite Heirat mitnichten. Zu klären bleibt einzig, ob die erste rechtsgültig vollzogen wurde. Die Herzogin, Barbara Palmer, ist berühmt und reich; doch verhandelt das Gericht weder den Altersunterschied noch die Würde ihres Standes. Es prüft eine Kette heimlicher Zusammenkünfte, Briefe und Zeremonien, deren Bedeutung Fielding bestreitet. War Mary Wandsworth vor der Herzogin sein rechtmäßiges Weib, so stempelt das Gesetz den zweiten Bund zum Verbrechen.

Nach den Worten von Elizabeth Villars nimmt alles mit dem Namen einer anderen Frau seinen Anfang. Fielding behauptet, er sei in Mrs. Delean verliebt, und sucht ihre Nähe. Da er von ihrem beträchtlichen Vermögen hört, beauftragt er Villars, eine Begegnung in die Wege zu leiten. Er begibt sich zu ihrem Landsitz, wandelt durch den Garten und hofft, bemerkt zu werden. Mrs. Delean steht hinter einem Fenster; sie empfängt ihn nicht. Später lässt Villars eigenmächtig ausrichten, die Duchess of Cleveland wünsche die Gärten zu besichtigen. Auch diese List schlägt fehl: Mrs. Delean weilt bei den Pferderennen von Banstead Downs.

Gleichwohl setzt Fielding seine Werbung fort. Er glaubt, die Dame bei den Rennen erblickt zu haben, und lässt ihr ein Schreiben zukommen. Mrs. Delean beteuert, Fielding nie begegnet zu sein; ihre Dienerschaft habe das Billet zwar entgegengenommen, sie selbst jedoch Weisung erteilt, ausschließlich Post aus ihrer Verwandtschaft anzunehmen. Die Kluft zwischen der Frau, der er nachstellt, und jener, die er schließlich ehelicht, wird zum Kern des Betrugs.

Villars berichtet, sie habe schließlich Mary Wandsworth vorgeschlagen, sich als Mrs. Delean auszugeben. Wandsworth willigt ein. Briefe und Geschenke wechseln zwischen ihr und Fielding den Besitzer, der sich an die wohlhabende Witwe zu wenden glaubt. Villars schildert eine erste Zusammenkunft am Tag nach dem Lord Mayor’s Day: Wandsworth erscheint in einer Trauerkutsche, lauscht Liedern, trinkt Wein, speist Pflaumenkuchen und reist wieder ab. Zu diesem Zeitpunkt ahnt der Freier noch nicht, dass er getäuscht wird. Das Ränkespiel verwandelt eine Unbekannte in die reiche Erbin, nach deren Hand er strebt.

Am 9. November drängt Fielding auf die Entscheidung. Wandsworth betritt seine Gemächer; er schließt sie in die Arme, beteuert, nichts auf Erden könne ihn ohne unverzügliche Vermählung glücklich machen, und eilt davon, um einen Priester zu suchen. Er schließt das Gemach ab und lässt sie mit Villars allein zurück. Wenig später kehrt er mit einem Mann zurück, den die Zeugen als fremdländischen Geistlichen beschreiben. Vor Beginn der Feier verlangt Wandsworth zu wissen, woran sie seinen Priesterstand erkennen könne. Der Mann zieht kleine Gegenstände hervor, die er als Weihezeichen vorweist. Er segnet Salzwasser, verlangt nach Rosmarin und zelebriert sodann eine Messe in lateinischer Sprache.

Wandsworth besteht darauf, dass die Frage nach dem Konsens auf Englisch wiederholt werde. Fielding erwidert unverzüglich, er nehme sie »von ganzem Herzen« zur Frau. Sie antwortet zunächst mit schwacher Stimme, spricht dann aber die von ihm verlangte Formel nach. Ein Ring trägt die lateinische Inschrift »Tibi soli« – »Dir allein«. Die Dienstboten werden während der Feier hinausgewiesen, kehren jedoch hernach mit Wein und Bettzeug zurück. Villars sagt aus, sie habe das neu vermählte Paar in jener Nacht und an den folgenden Morgen im selben Bette gesehen. Schon bald nennt Fielding Wandsworth sein Weib und die »Countess Fielding«.

Dies ist keine Liaison, deren einziges Geheimnis in einem Standesunterschied läge. Fielding wähnt sich noch immer mit Mrs. Delean vereint, während Briefe, Priester und Zeremonie nach Auffassung der Anklage ein Eheband mit Wandsworth begründen. Letztere weiß wohl, dass der Bräutigam sich in der Person irrt; dennoch lässt sie die Trauung vollziehen. Villars gibt an, Fielding habe sie um Stillschweigen gebeten, da die Braut fürchte, ihren Vater zu erzürnen, der einen Teil ihres Vermögens verwalte. Fielding täuscht sich über Identität und Wohlstand der Braut; Wandsworth hingegen ist der Unterschiebung vollauf gewahr. Vor Gericht vermag diese Täuschung den Vollzug der Ehe freilich nicht ungeschehen zu machen.

Die zweite Eheschließung mit Barbara, Duchess of Cleveland, erfolgt am 25. November, obgleich die Anklage das Bündnis mit Wandsworth als rechtsgültig erachtet. Monate später, als Wandsworth Geld fordert, entdeckt Fielding, dass sie keineswegs über die verheißene Mitgift verfügt. Villars bekundet nun zu Protokoll, er habe sie herbeizitiert, geschlagen und gedroht, ihr die Nase aufzuschlitzen, sollte sie ihre Aussage nicht widerrufen. Villars bleibt bei ihren Worten: Die Zeugin, die er zum Schweigen bringen will, ist just jene, die den Rollentausch ins Werk gesetzt hat.

Für Fielding stellt Villars die Hauptzeugin dar. Er zeiht sie der Lüge und hebt hervor, sie habe sich in einem Detail geirrt: Sie habe geglaubt, Mrs. Deleans Mutter schneide dieser das Haar, während es in Wahrheit eine andere Frau gewesen sei. Zudem verweist er darauf, dass Villars im Zuchthaus von Bridewell eingesessen habe. Doch ihr Bericht über die Feier wird von Bouchier gestützt, dem Diener, der den Priester eintreten sah, Wasser und Salz herbeischaffte und hernach das frische Lager und den Ring bezeugte. Ein Goldschmied bestätigt, den Ring mit der von Fielding bestellten Gravur verkauft zu haben; ein Prokurator identifiziert den Ring, den Wandsworth dem geistlichen Gericht vorlegte. Drei von Fieldings Hand verfasste Zärtlichkeitsbriefe werden in der Sitzung verlesen.

Fielding eröffnet eine weitere Verteidigungslinie: Wäre Wandsworth zuvor bereits mit Lilly Bradby verheiratet gewesen, so hätte sie gar nicht sein Weib werden können. Eine Zeugin behauptet, ein Vermerk über deren Trauung finde sich im Register des Fleet-Gefängnisses. Doch als Beauftragte des Kronanwalts das Register durchforsten, bleibt der Eintrag unauffindbar. Sie erklären, den Monat Oktober sorgfältig geprüft und eine Leerstelle bemerkt zu haben, an der die Eintragung erst später eingefügt worden sei. Die Zeugin räumt ein, eine Frau habe ihr Geld geboten, um jene Zeile zu tilgen; sie vermag diese Person jedoch nicht mit Gewissheit zu bezeichnen. Das Schriftstück, das die erste Ehe zunichtemachen sollte, wird selbst zum Gegenstand schwersten Verdachts.

Die Geschworenen sprechen Fielding der Bigamie schuldig. In der folgenden Sitzungsperiode beruft er sich auf das Privileg des Klerus (benefit of clergy); der Vollzug der Strafe wird mithin ausgesetzt, und die Königin gewährt den Erlass des Brandmals auf der Hand. Die Herzogin führt derweilen ihr eigenes Nichtigkeitsverfahren vor dem Konsistorialgericht. Im Mai 1707 erklärt dieses sie von den Banden der Ehe mit Fielding für frei und befugt, sich nach Belieben anderweitig zu vermählen. Briefe und Ring werden ihr nach amtlicher Registrierung ausgehändigt.

Die Justiz entschied mithin über das Bestehen der ersten Verbindung, doch das Täuschungsmanöver bleibt der Dreh- und Angelpunkt der Akte: Fielding wollte eine Erbin heiraten, der er nie von Angesicht zu Angesicht begegnet war, und Wandsworth willigte ein, deren Gestalt anzunehmen. Der Fall erschöpft sich weder im Bild eines betrogenen Edelmanns noch in dem einer falschen Gattin, die alles ersonnen hätte. Priester, Dienstboten, Briefe und Ring verliehen der Zeremonie greifbare Zeugen und Spuren; das angefochtene Register hingegen mahnt daran, dass Beweise ihre Gestalt einst ebenso rasch zu wandeln vermochten wie die Identitäten der Menschen.

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Das Kapitel nennt die Herzogin Barbara. Es hält fest, dass Fielding seine Heirat mit ihr einräumt, die Geschworenen ihn der Bigamie schuldig sprechen und ein geistliches Nichtigkeitsurteil vom 23. Mai 1707 die Herzogin aus dem Eheband löst. Die Darstellung stützt sich auf den historischen Sitzungsbericht von Borrow, namentlich hinsichtlich der geheimen Trauungszeremonie und des strittigen Eintrags im Fleet-Register.

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