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Justiz & Skandale · England

Das mit Blei beschwerte Paket nach Frankreich

London, Dezember 1690–Januar 1691. Lord Preston, einstiger Staatssekretär Jakobs II., wird an Bord eines nach Frankreich auslaufenden Schiffes zusammen mit John Ashton und Edmond Elliot festgesetzt. Die sichergestellten Papiere enthalten geheime Berichte über die englische Flotte und die Küstenverteidigung sowie Pläne zur Restauration des gestürzten Monarchen. Preston bestreitet Urheberschaft und Verfahrensführung; die Geschworenen sprechen ihn des Hochverrats schuldig.

An Bord der Thomas and Elizabeth lässt Kapitän Billop die soeben abgefangenen Reisenden durchsuchen. Seiner Zeugenaussage zufolge leugnet John Ashton zunächst, irgendetwas zu verbergen, zieht dann jedoch ein Taschentuch aus seinem Gewand. Billop erklärt, er habe daraufhin in Ashtons Kleidung gegriffen und ein mit Blei beschwertes Schriftbündel hervorgezogen. Lord Preston und Edmond Elliot befinden sich gemeinsam mit Ashton auf dem Schiff. Allen drei Männern wird zur Last gelegt, die Rückkehr Jakobs II. vorbereitet und dem König von Frankreich militärische Geheimnisse zugetragen zu haben.

Die Reise begann in London am 30. Dezember 1690. Wenige Wochen zuvor war Preston, der ehemalige Sekretär Jakobs II., bereits verhaftet und verhört worden; die Behörden verdächtigten ihn, im Dienste des exilierten Monarchen zu stehen. Die auf dem Schiff sichergestellten Dokumente umfassen Aufzeichnungen über die englische Flotte, den Zustand der Befestigungen von Portsmouth und Gosport, Schiffsverzeichnisse, Häfen sowie strategische Erwägungen für eine Blockade Londons. Andere Schriften entwerfen das Bild einer durch französische Truppen gestützten Rückkehr des Königs, verlangen jedoch zugleich Garantien für eine protestantische Regierungsführung und die Wahrung der Gesetze des Reiches. Der Plan verknüpft Restauration, Zugeständnisse und militärische Vorbereitungen.

Noch ehe die Beweise vorgelegt werden, entbrennt zu Beginn des Verfahrens ein Streit über Prestons Recht, als Peer des Reiches vor Gericht zu stehen. Er beruft sich auf einen Adelsbrief, der ihm diesen Rang vor der Abdankung Jakobs II. verliehen habe. Die Krone erwidert, das Oberhaus habe diesen Anspruch abgewiesen. Der vorsitzende Richter verlangt die Vorlage der Urkunde, die Preston nicht beibringen kann. Ebenso begehrt er eine Abschrift der Anklageschrift zur Prüfung der Vorwürfe. Unter Verweis auf die hergebrachte Praxis verwehrt das Gericht dieses Gesuch. Preston führt an, den Angeklagten sei zu wenig Zeit zur Verteidigung geblieben und Rechtsbeistand sowie Vertraute hätten erst spät hinzugezogen werden dürfen. Der Gerichtshof fordert ihn auf, sich zur Anklage zu bekennen, bevor über Fristen verhandelt werden könne. Er plädiert auf nicht schuldig.

Die beiden Mitangeklagten, John Ashton und Edmond Elliot, verlangen, gemeinsam mit ihm gerichtet zu werden; der Gerichtshof schlägt dieses Ansinnen ab. Er ordnet an, sie getrennt zu verhandeln, sofern sie sich nicht ausnahmslos auf ein gemeinsames Verfahren verständigen. Preston will die Geschworenen ablehnen, verfügt jedoch noch nicht über die vollständige Liste. Die Richter entgegnen, Ablehnungen könnten bei Aufruf der einzelnen Geschworenen vorgebracht werden. So vollzieht sich der Prozess gegen einen einstigen Minister in einem Saal, in dem Verfahrensfragen und Schuldvorwürfe bereits unentwirrbar ineinandergreifen und jedes Gesuch um Aufschub abgewiesen wird.

Eine Schiffseignerin, Mrs. Pratt, bestätigt, man habe bei ihr ein Fahrzeug für die Überfahrt nach Frankreich gemietet. Der Schiffer Pasely bezeugt das Anheuern und das Auslaufen in Richtung Gravesend; der Bootsmann belegt, die Reisenden an Bord gebracht zu haben. Die Anklage beziffert das Fährgeld auf einhundert Pfund. Noch ehe die Schriften zur Verlesung kommen, verfügt die Anklage somit über den Nachweis einer organisierten Überfahrt, eines gemieteten Schiffes und eines feindlichen Bestimmungsortes in Zeiten des Krieges.

Kapitän Billop schildert daraufhin den Hergang des Zugriffs. Am 31. Dezember habe ihn Lord Danby zu Lord Lindsey, dem Präsidenten des Rates, geführt. Dieser habe ihm eröffnet, dass Männer mit gefährlichen Dokumenten nach Frankreich übersetzen wollten, und ihm befohlen, sie abzufangen. Billop bemannt ein Boot, fährt die Themse hinab nach Gravesend und spürt die Thomas and Elizabeth auf. Er lässt seine Leute aufsitzen, steigt in die Kajüte hinab und findet Preston, Ashton und Elliot beieinanderliegend vor. Zuerst durchsucht er Preston, dann Ashton; aus dessen Hemd zieht er das bleibeschwerte Paket. Billop versichert, die Papiere an sich genommen und den Behörden übergeben zu haben.

Die Gefangenen werden nach London überführt. Während der Fahrt bittet Preston darum, in Gravesend an Land gehen zu dürfen, um sich zu wärmen und zu speisen. Billop verweigert dies und verbringt sie auf ein Kriegsschiff. Er berichtet, Preston habe ihm für die höfliche Behandlung gedankt und versprochen, sich bei Gelegenheit erkenntlich zu zeigen. Ashton und Elliot hingegen hätten ihn beschworen, die Papiere über Bord zu werfen. Sie hätten ihm Wohlstand in Aussicht gestellt, wenn er sich ihnen anschlösse und sein Glück in Frankreich suchte. Billop entgegnet, er werde das Sichergestellte nicht vernichten. Dieser Wortwechsel stützt sich allein auf sein Zeugnis; das Vorhandensein des Pakets wird jedoch von den nachfolgenden Empfängern bestätigt.

Die Verwahrungskette der Schriftstücke rückt in den Mittelpunkt des Verfahrens. Billop sagt aus, er habe sie Lord Nottingham ausgehändigt; der Earl bestätigt, sie gelesen, zusammengefügt, versiegelt und dem Kapitän zurückgegeben zu haben. Der Ratspräsident erklärt, er habe sie dem König vorgelegt und in das Kabinett eingebracht. Lord Sidney bekundet, er habe sie gezeichnet und verwahrt, abgesehen von der für Abschriften benötigten Zeit. Mehrere Blätter werden vor Gericht ausgebreitet: eine Denkschrift über die Restauration Jakobs II., Berichte über Kriegsschiffe und Befestigungen, Briefe, ein Verzeichnis verschlüsselter Namen und Wechselbriefe. Lord Sidney und der Ratspräsident erkennen die Seiten wieder; ein früherer Kollege identifiziert Prestons Handschrift auf drei Memoranden. Die Zeugenaussagen verfolgen den Weg der Papiere aus der Schiffskajüte in den Kronrat und von dort in den Gerichtssaal.

Einer der Texte formuliert die den Jakobiten zugedachten Bedingungen: Frankreich müsse die Engländer davon überzeugen, keine Eroberung zu beabsichtigen; Jakob II. solle eine protestantische Verwaltung zusichern, die französische Truppenmacht beschränken und ein Parlament einberufen. Eine andere Aufzeichnung listet den Zustand der Flotte sowie von Portsmouth auf und erwägt einen Angriff von Schottland aus, gestützt auf schwedische Soldaten und schottische Schiffe, um London abzuschnüren. So verschränken die Dokumente Diplomatie und Militärstrategie. Preston beteuert gleichwohl, keines dieser Blätter je gesehen zu haben. Er bestreitet, dass die beim Paket gefundenen Siegel seine Autorschaft belegten; die Krone hält dem entgegen, die Siegel trügen sein Wappen und das vormalige Zeichen seines Amtes als Staatssekretär.

Die Wechselbriefe werfen eine weitere Frage auf: Während die Anklageschrift von Geldmitteln für die Feinde der Krone spricht, erwähnen die verlesenen Schriftstücke auch Schuldentilgungen und eine Mitgift für ein junges Mädchen. Preston führt an, die Chiffren und der Kurs nach Frankreich reichten keineswegs aus, um Hochverrat zu begründen. Er räumt ein, das Land verlassen zu haben, behauptet jedoch, er habe nach Flandern oder andernorts reisen wollen, um in der Zurückgezogenheit zu leben. Er erinnert daran, dass er seiner Ämter beraubt worden sei, zwei Haftstrafen im Tower erlitten habe und als Verräter gebrandmarkt worden sei, noch ehe ein formelles Verfahren eröffnet wurde.

Der vorsitzende Richter überlässt es den Geschworenen, den Beweiswert der Dokumente, ihre Herkunft und die geplante Überfahrt nach Frankreich zu würdigen. Er mahnt an, sofern Preston das Schiff mit der Absicht betreten habe, diese Papiere zu befördern, sei der Tatbestand des Hochverrats in der Grafschaft Middlesex verwirklicht. Preston beschwört die Geschworenen, einen bloßen Verdacht nicht in Gewissheit zu verkehren, und bekräftigt, er sei ein treuer Protestant und Sohn der Kirche von England. Zeugen zu seiner Entlastung ruft er nicht auf. Die Geschworenen beraten weniger als eine halbe Stunde und sprechen ihn schuldig.

Der Urteilsspruch verwandelt eine abgebrochene Seereise in das Sachzeugnis einer Verschwörung: Paket, Siegel, Briefe und militärische Berichte, zusammengeführt auf einer Überfahrt, von der der Kapitän im Voraus unterrichtet war. Der Prozessbericht bietet keine Gegenüberstellung anderer Versionen über die Papiere oder deren Beschlagnahme. Er zeigt Preston im Streit um das Verfahren, sodann um die Zurechnung und Bedeutung der Schriftstücke, während die Amtsträger der Krone deren lückenlose Kette seit dem Zugriff nachzeichnen. Die Schlussbemerkung Borrows schließt Ashton und Elliot gleichermaßen in das Todesurteil ein. Der Bericht Macaulays scheidet jedoch ihre Schicksale: Ashton wird verurteilt und hingerichtet, während Elliot nicht vor Gericht gestellt wird. Preston wiederum erlangt mehrfache Aufschübe und schließlich eine königliche Begnadigung, die ihm das Leben erhält, wenngleich nicht sein gesamtes Vermögen. Die drei Männer, die unter derselben Luke ergriffen wurden, verließen das Verfahren somit auf gänzlich verschiedenen Wegen.

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Der historische Rahmen und unser erzählerischer Anteil

Das Quellenkapitel datiert den Prozess auf den 16. Januar 1690, verortet die Begebenheiten jedoch im zweiten Regierungsjahr von Wilhelm und Maria und erwähnt ein Schreiben vom 31. Dezember 1690. Die vorliegende Chronik übernimmt den Zeitraum Dezember 1690–Januar 1691, ohne die Diskrepanz zwischen altem und neuem Kalenderstil aufzulösen. Borrows Schlussfolgerung zählt Ashton und Elliot irrtümlich gleichermaßen zu den Verurteilten; der Abgleich mit den Darstellungen Macaulays belegt dagegen, dass Elliot nicht angeklagt wurde und Preston Begnadigung erfuhr. Der vorliegende Text wahrt diese Differenzierung.

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