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Justiz & Skandale · Irland

Das Zeugnis der Miss Goold

Im März 1822 wurde die sechzehnjährige Honorah Goold aus ihrem Elternhaus in der Grafschaft Cork verschleppt und von Versteck zu Versteck getrieben, bis das Militär sie befreite. Vor dem Gericht in Limerick beschrieb sie ihre Entführer und eine von ihr unter Todesangst unterzeichnete Erklärung; sieben Angeklagte wurden schuldig gesprochen.

Am Montag, dem 4. März 1822, drangen vier Männer in das Schlafzimmer von Honorah Goold im Hause ihrer Mutter in der Grafschaft Cork ein. Das Mädchen, etwa sechzehn Jahre alt, lag bereits zu Bett. Sie fragten sie, ob sie die älteste Tochter sei, was sie verneinte. Sie solle sich nicht ängstigen, hieß es: Nicht sie sei es, die man suche. Die Männer gingen hinab, kehrten jedoch wenige Minuten später zurück. Diesmal beantworteten sie ihre Frage selbst: Sie sei sehr wohl die Älteste. Sie befahlen ihr aufzustehen.

John Walsh, der später unter dem Namen John Cussen vor Gericht stehen sollte, hieß seine Gefährten hinausgehen, damit sie sich anziehen könne. Dann nahm er sie in die Arme, trug sie ins Freie und hob sie vor einen Mann zu Pferde. Dieser Mann hieß Browne; Honorah hatte ihn zuvor nie gesehen. In der finsteren Nacht vermochte sie die Stunde nicht zu schätzen. Sie zählte schließlich zwölf berittene Männer in dem Trupp, der sie gegen ihren Willen fortschaffte. Als sie sich dem Anwesen von Daniel Browne, dem Vater des Reiters, näherten, brachte man einen Sitz herbei, der hinten am Sattel befestigt wurde. Das Mädchen flehte Browne an, sie freizugeben. Er weigerte sich. Man setzte sie hinter ihn und warf ihr einen Männermantel über die Schultern, da sie kein eigenes Tuch mitgenommen hatte.

Sie ritten die ganze Nacht hindurch. In Freemount machten die Entführer halt, um Nahrung zu suchen, jedoch vergeblich. Honorah stürzte mehrmals vom Pferd. In einer Herberge hörte eine Frau sie weinen und fragte nach ihrem Namen. Einer der Männer, Guerin, wollte die Wirtin schlagen, weil sie gefragt hatte. Cussen und Daniel Doody gehörten zu den fünf Reitern, die mit Browne eingetreten waren. Später erreichte der Zug das Gehöft von David Leahy dem Älteren, wo man Honorah an das Herdfeuer der Küche setzte. James Leahy trug ihr auf, nicht zu weinen: Sie solle sich glücklich schätzen, behauptete er, denn der Mann, der sie geholt habe, sei ein gebildeter Gentleman und kein Taugenichts. Sie entgegnete, dass sie niemals einwilligen werde, ihn zu heiraten.

Daraufhin führte man sie in eine andere Kammer, in der sich Leahys Ehefrau und ein junges Mädchen, Mary Cahill, aufhielten. Honorah erbat sich, neben Mrs. Leahy schlafen zu dürfen. An jenem Dienstagmorgen nach ihrer Ankunft blieb Browne während des Frühstücks stets an ihrer Seite. Als die übrigen das Zimmer verließen, sprang sie auf und rannte zur Tür. Er versperrte ihr den Weg. Borrow berichtet, dass er versuchte, ihr die Kleider vom Leib zu reißen; sie schrie um Hilfe. Dann suchte er sie ins Bett zu zwingen und drohte, sie den draußen Wartenden preiszugeben. An dieser Stelle bricht das Sitzungsprotokoll ihre Aussage ab. Der Bericht setzt sich fort mit den erzwungenen Ortswechseln, die dem Mädchen von Zuflucht zu Zuflucht auferlegt wurden, ohne dass man ihr die Freiheit wiedergab.

Am Mittwochabend schaffte man sie in eine benachbarte Hütte, um sie tags darauf wieder zu den Leahys zu bringen. Dort verblieb sie bis drei Uhr nachmittags, ehe sie zu Maurice Leahy transportiert wurde, zwei Meilen entfernt. Browne begleitete sie. Sie schlief in diesem Hause; sie gab zu Protokoll, Browne habe bei ihr gelegen. Nach einem Tag und einer Nacht brachte man sie zu einem Mann namens Lane, hernach zu Mahony. Jeder Wechsel verlängerte die Trennung von ihrer Mutter und stellte sie unter die Bewachung anderer Mitglieder der Bande. Sie bekräftigte, dass all diese Transporte gegen ihren Willen geschahen.

Am darauffolgenden Sonntag kehrte man zum Haus von David Leahy zurück. James Leahy und Browne waren zugegen. Sie blieb dort bis zum Dienstagabend, dem 12. März, durchquerte sodann mehrere Hütten und kehrte jedes Mal zu den Leahys zurück. Diese nächtlichen Fahrten folgten aufeinander, ohne ihr die Freiheit zurückzugeben. Am Donnerstag, dem 14. März, brachte man sie abermals zu David Leahy. Ihre Aussage erwähnt im Folgenden ein Schriftstück, ohne den genauen Tag seiner Abfassung zu nennen. Vor David Leahy, James und Browne setzte sie jenes Blatt auf, in dem sie erklärte, sie habe sich aus freien Stücken bei den Leahys aufgehalten. Vor Gericht räumte sie ein, das Dokument geschrieben zu haben, doch erklärte sie, sie habe dies aus Furcht getan und in der Hoffnung, ihrer Familie wiedergegeben zu werden. Die Unterschrift stammte von ihrer Hand; die Einwilligung, so sagte sie, keineswegs.

Die Flucht der Entführer vor dem anrückenden Militär setzte ihrer Gefangenschaft kein Ende. Daniel Riedy trieb sie in eine Hütte, während Soldaten die Umgebung durchkämmten. Er feuerte einen Pistolenschuss in deren Richtung ab und zerrte sie dann auf einen Berg. Honorah gab an, dort eine halbe Stunde ausgeharrt zu haben, ehe er sie zu der Hütte zurückbrachte, in der Browne auf sie wartete. Man überstellte sie abermals einem anderen Leahy. Während dieser Wochen sah sie Waffen bei den Männern; unter den Angeklagten, so präzisierte sie, habe einzig Riedy aus der Pistole geschossen. Schließlich ließ man sie am Sonntag, dem 24. März, in einer Hütte am Wegesrand zurück. Das Militär fand sie ohne ihre Entführer vor.

William Allen, Friedensrichter der Grafschaft Cork, entdeckte sie nahe Abbeyfeale, so geschwächt, dass sie weder zu gehen noch zu sitzen noch zu stehen vermochte. Er benötigte siebzehn Stunden, um sie über eine Strecke von dreizehn Meilen zu transportieren, teils auf einem Karren, teils auf einer von Männern getragenen Bahre. Seine Zeugenaussage liefert den handgreiflichen Maßstab dessen, was dieser Brautraub jener abverlangt hatte, die man in eine Heirat zu zwingen gedachte.

Die Anklage stützte sich nicht allein auf das Wort Honorahs. William Connell berichtete, er habe das Mädchen gegen drei Uhr nachmittags bei Maurice Leahy gesehen. Die Familie hatte ihren Besuch tags zuvor angekündigt. Bei ihrer Ankunft wurde sie als „Miss Goold“ angeredet; sie weinte bitterlich. Connell riet Maurice Leahy, das Militär zu rufen und sie ihren Angehörigen zurückzugeben. Leahy entgegnete, er solle sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern. Am selben Abend sattelte er sein eigenes Pferd, lieh ein weiteres für Browne und Honorah und schickte sie fort zum Haus der Lanes. Connell sagte aus, er habe Browne ermahnt, sie mit Milde zu behandeln. Browne erwiderte, je härter sie angefasst werde, desto eher werde sie nachgeben.

Honorah identifizierte Cussen, Doody, James und David Leahy; Connell bezeugte die Anordnungen von Maurice; Allen schilderte die Nachforschungen und den elenden Zustand, in dem er sie fand. Das Verhandlungsprotokoll nennt sieben Angeklagte, belangt wegen Beihilfe zur Entführung und des Versuchs, Honorah zur Ehe mit Browne zu nötigen. Borrow berichtet, dass die Verteidigung Zeugen aufbot, welche die Leahys als ehrbare Männer darstellten und die Furcht anführten, welche die Rebellen in den Bergen verbreiteten. Die Geschworenen berieten etwa zehn Minuten, ehe sie alle Gefangenen schuldig sprachen.

Das Kapitel überliefert die Strafmaße nicht, die auf diesen Spruch folgten. Doch in der Verhandlung hatte Honorah jenem Papier entgegentreten können, das man ihr vorhielt. Sie leugnete die Handschrift nicht: Es war die ihre. Sie bestritt jedoch, dass man jenes Schriftstück eine Einwilligung nennen könne, das sie bloß niedergeschrieben hatte, um ihre Familie wiederzusehen. Maurice Leahy hatte sein Pferd gerüstet und ein anderes für Browne und Honorah geliehen; im Hause der Leahys hatte man sich gar eine schriftliche Erklärung über einen freiwilligen Aufenthalt verschafft. Vor den Geschworenen rückte das Mädchen die verrammelte Tür, die Drohungen und die dreiwöchige Gefangenschaft wieder hinter diese Formel. Die Unterschrift blieb bestehen. Doch sie taugte nicht länger dazu, den Zwang ungeschehen zu machen.

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Der historische Rahmen und unser erzählerischer Anteil

Das Protokoll datiert die Entführung auf den 4. März 1822 und die Befreiung auf den 24. März. Honorah sagt über die Verschleppung und die erlittenen Taten aus; der Bericht trennt ihre Angaben sorgsam von jenen der weiteren Zeugen. Borrow berichtet von einer Verteidigung, welche die durch aufständische Banden verbreitete Furcht geltend machte, woraufhin ein Schuldspruch gegen alle sieben Angeklagten erging. Das Kapitel nennt weder die Strafen noch den weiteren Fortgang des Verfahrens. Quelle ist ein 1825 von Borrow veröffentlichter Bericht, keine vollständige Abschrift der Gerichtsakten. Riedy wird im Kapiteltitel als David, in der Zeugenaussage als Daniel geführt; diese Abweichung der Quelle lässt keine endgültige Entscheidung zwischen beiden Vornamen zu.

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