Der Schimmel kehrte herrenlos auf die Straße zurück. Ein Pächter, der nach Wadebridge ritt, erblickte das gesattelte, doch unbemannte Tier; nachdem er den Versuch aufgegeben hatte, es einzufangen, befragte er einige Männer, von denen einer das Reittier des Herrn Nevill Norway zu erkennen glaubte. Der Pächter begab sich zum Anwesen des Kaufmanns. Das Pferd stand bereits nahe dem Stall, und auf dem Sattelzeug zeichneten sich Blutspuren ab. Daraufhin brachen zwei Dienstboten auf die Straße nach Bodmin auf, um nach ihrem Herrn zu forschen.
Camden Pelham verlegt das Verschwinden auf den Abend des 8. Februars 1840. Norway, ein Händler für Holz und Kolonialwaren, lebte in Wadebridge, etwa neun Meilen von Bodmin entfernt, wohin er sich zum Markt begeben hatte. Gegen vier Uhr nachmittags, so vermerkt der Chronist, zückte Norway seine Börse, um eine Zahlung zu leisten, als William dicht an ihm vorbeiging und die Barschaft bemerkt haben musste. Kurz vor zehn Uhr trat der Kaufmann zu Pferde den Heimweg an. Ein Reisegefährte ritt noch einige Meilen an seiner Seite, ehe sich ihre Wege trennten. Dass allein das Ross heimkehrte, verwandelte den vertrauten Pfad sogleich in ein unheilvolles Rätsel: Wo war der Reiter geblieben, und wessen Hand mochte ihm den Weg verlegt haben?
Die Straße verlief einsam und durch unwegsames Gelände. Nach etwa zwei Meilen gewahrte einer der Knechte einen schimmernden Gegenstand in einem Bachlauf. Es war Norways Leichnam. Man verbrachte ihn auf seinem eigenen Tier zurück nach Wadebridge; der Wundarzt Tickle stellte schwere Wunden an Kopf und Antlitz fest, welche Pelham wiederholten Hieben mit einem stumpfen Gegenstand zuschreibt. Unweit des Fundorts führten Fährten von einer Blutlache zum Ufer; der Hut des Handelsmanns sowie das Bruchstück eines Pistolenschlosses wurden in geringer Entfernung aufgefunden. Der Chronist hält fest, dass die Spuren auf zwei Täter und eine Flucht in einen nahen Obstgarten hindeuteten. Eine eingehendere Rekonstruktion anhand lückenloser Zeugenaussagen bleibt der Text an dieser Stelle jedoch schuldig.
Raub drängte sich als Motiv auf. Die Geldbörse, die Barschaft, ein Notiztäfelchen und ein Schlüsselbund waren verschwunden; die Absuche des Tatorts brachte sie nicht zutage. Über die genaue Summe der Beute schweigt das Werk. Es zeichnet auch nicht die gesamte nachfolgende Untersuchung nach. Nichtsdestoweniger nennt es mehrere Zeugenaussagen, die den Verdacht der Behörden auf zwei örtliche Tagelöhner lenkten: James und William Lightfoot, Brüder, die in der Gegend aufgewachsen waren.
Der Schuhmacher Harris erinnerte sich, sie in der Mordnacht am Ufer des Baches gesehen zu haben. Ayres, ein Nachbar von James, wusste von einem weiteren Umstand zu berichten: Am selben Abend habe er seinen Nachbarn spät heimkehren und mit dessen Frau sprechen hören; ohne die Worte zu verstehen, habe er vernommen, wie Weib und Kind in Tränen ausbrachen. Als das Haus von James am 14. Februar durchsucht wurde, entdeckte man einen Balken an der Decke, in dem eine Pistole mit unvollständigem Zündmechanismus verborgen lag. James beteuerte, die Waffe beim Erschlagen einer Katze beschädigt zu haben; sein Gehaben erschien der Obrigkeit verdächtig, und er wurde in Gewahrsam genommen. William verhaftete man drei Tage darauf, nachdem er gegenüber einem gewissen Vercoe geäußert hatte: Sollte sein Bruder büßen, so müsse auch er gerichtet werden, „denn sie steckten beide darin“, wie Pelham überliefert.
Vor dem Magistrat legte William ein ausführliches Geständnis ab. Er räumte ein, auf dem Heimweg zu James gestoßen zu sein und ihn bis in die Nähe des späteren Tatorts begleitet zu haben. Sie hätten sich in einem Feld verborgen gehalten; seiner Darstellung nach habe James zweimal versucht zu schießen, doch die Waffe versagte, woraufhin er Norway mit dem Kolben niederstreckte. William gab seine Anwesenheit, die gemeinsame Flucht und seine Beteiligung am Raub zu: Er habe den Beutel in seinem Garten vergraben und ihn später von der Pendavey-Brücke ins Wasser geworfen. Dieser Bericht bürdete dem Bruder den ersten Angriff und die tödlichen Schläge auf, band William jedoch untrennbar in das Vorhaben ein.
Daraufhin führte William die Gerichtsdiener zu einem Ginsterbusch, wo man die Schreibtafel und die Schlüssel des Kaufmanns auffand. Das Fundstück bewies zwar für sich genommen noch nicht, wer die Schläge geführt hatte; es bestätigte jedoch jenen Teil des Geständnisses, der das Verschwinden und Verstecken der Besitztümer betraf. Am 19. Februar wurde James aus dem Gefängnis von Bodmin nach Wadebridge überstellt. Jackson, der Polizist, bezeugte später, James habe ein Geständnis abgelegt, das im Kern mit dem Williams übereinstimmte, in welchem James jedoch die Initiative des Überfalls gänzlich seinem Bruder zuschrieb.
Eine weitere William zugeschriebene Einlassung verschob die Rollen aufs Neue. Der Kerkermeister von Bodmin gab an, William habe ihm nach seiner Einlieferung anvertraut, Herrn Molesworth das reine Gewissen offenbart zu haben. Nach dieser Variante habe James zweimal vergeblich auf Norway angelegt; daraufhin habe William dem Kaufmann einen Stockhieb versetzt, ehe James das Opfer mit der Pistole traktierte. Die beiden William zugeschriebenen Versionen weichen somit in der Schwere der eigenen Tatbeteiligung voneinander ab: Die eine zeichnet ihn als Mitwisser und Hehler, die andere legt ihm tätliche Gewalt gegen den Kaufmann zur Last. Von James wiederum hieß es, er habe einen ähnlichen Hergang geschildert, den tätlichen Beginn jedoch fest bei William verortet.
Die Justiz besaß nach Pelhams Schilderung kein eindeutiges und unwiderrufliches Geständnis, das diesen Widerspruch aufgelöst hätte. Der Sammler betont vielmehr, dass die Brüder bis zur Verhandlung streng getrennt blieben und ihre Berichte einzig darauf abzielten, dem jeweils anderen die Hauptschuld zuzuweisen. Zu ihren Aussagen traten die Zeugenberichte, die sie am Bachlauf gesehen hatten, das Schlossfragment, die bei James gefundene Waffe, die verborgenen Gegenstände und weitere Indizien, von denen Pelham berichtet, dass sie die Anschuldigungen stützten. Dennoch spart das Kapitel den Gang der Gerichtsdebatte und die Fragen an die Geschworenen aus. Man muss folglich das überlieferte Beweismaterial vom Urteilsspruch der Richter sorgfältig scheiden.
Die Assisen wurden am 30. März 1840 in Bodmin vor Richter Coltman eröffnet. Als die beiden Männer vor die Schranken traten, boten sie laut Pelham ein Bild seltsamer Gefasstheit, da sie lange Zeit ohne Kontakt zueinander verwahrt worden waren. Aufgefordert zur Verantwortung, bekannten sie sich für nicht schuldig. Der Richter fasste die Beweislage vor dem Gerichtshof zusammen; die Geschworenen sprachen beide Brüder schuldig. Über beide wurde die Todesstrafe verhängt. Der Richtspruch vereinte somit unter ein und demselben Verdikt zwei Männer, deren protokollierte Worte einander gegenseitig bezichtigt hatten, ohne je in eins zu fallen.
Nach der Urteilsverkündung gestattete man den Brüdern ein Zusammentreffen in derselben Zelle. Pelham berichtet, dass sie alsbald in Schmähungen ausbrachen und handgemein wurden, bis die Schließer sie abermals trennten. Diese Szene vermag nicht zu klären, was sich auf der Landstraße tatsächlich zugetragen hatte; sie bezeugt lediglich, dass das Band des Blutes ihre Darstellungen nicht zu einen vermochte. Tagelang noch, so die Chronik, harrten sie gleichmütig ihres Schicksals. Am 7. April empfingen sie ihre Angehörigen; nach diesem Abschied schildert der Text sie als empfänglicher für den Zuspruch der Geistlichen Kendall und Molesworth. Am darauffolgenden Sonntag wohnten sie dem Gefängnisgottesdienst bei.
Die Hinrichtung vollzog sich zu Bodmin am Montag, dem 13. April. William zählte sechsunddreißig Jahre, James dreiundzwanzig. Die beiden Brüder schritten im Geleit der Geistlichen zum Schafott, verrichteten ihr Gebet und baten darum, ihren Familien einen letzten Gruß zu überbringen. Pelham schätzt die Menge der Schaulustigen auf über zehntausend Seelen und bemerkt, nur wenige hätten Mitleid bekundet. An derselben Stelle erinnert er daran, dass zwischen der Tat und der Vollstreckung eine Kollekte von 3.500 Pfund Sterling für Norways Witwe und Kinder zusammengetragen worden war. Die weltliche Strafe und der Beistand für die Hinterbliebenen bilden somit die beiden Pfeiler, mit denen der Chronist seinen Bericht beschließt.
Der Schimmel hatte die ersten Spuren des Verbrechens nach Wadebridge getragen; die Erklärungen der Brüder hingegen wiesen ohne Ende vom einen auf den andern. Die Geschworenen verurteilten beide zum Tode, doch erlaubt Pelhams Darstellung es nicht, die von Eigennutz gefärbten Berichte in ein lückenloses Protokoll der Gerichtsverhandlung umzumünzen. Sie überlässt dem Leser lediglich das Gerüst der Tatsachen — die einsame Straße, die geraubten Dinge, die einander widerstreitenden Aussagen, das Fallbeil des Urteils —, enthält ihm jedoch die Worte und Widersprüche vor, die der Chronist überging. In eben diesem Zwiespalt zwischen gegenseitiger Bezichtigung und gemeinsamer Schuld liegt das eigentliche Wesen dieses Kriminalfalls.
