Der Graf von Cagliostro berichtet, er wisse nicht, wo er das Licht der Welt erblickt habe. Seine Eltern, so schreibt er, seien Christen von edlem Geblüt gewesen; sein Erzieher Althotas habe ihm deren Namen wohlweislich verschwiegen. Seine Kindheit verlegt er nach Medina an die Seite eines Muftis, gefolgt von ausgedehnten Reisen durch Arabien, Ägypten, Rhodos und Malta. Der Mann, der dem Leser hier entgegentritt, ist kein unbefangener Berichterstatter: Borrow stellt klar, dass er die Rechtfertigungsschrift des Angeklagten getreu wiedergibt, ehe er ihn selbst unverhohlen einen Betrüger nennt.
In dieser Lebensbeschreibung wächst der Knabe unter dem Namen Acharat in der Obhut von Althotas heran. Der Lehrmeister, so heißt es, unterrichtete ihn in den Sprachen und Wissenschaften und hielt ihn dazu an, Gott, die Gesetze und die Religionen zu achten. Mit zwölf Jahren drängt es den Knaben in die Ferne. Er schildert die Paläste von Medina und Mekka, die Gunst des Scherifen und die Tränen des Fürsten bei seinem Abschied. Vor dem Aufbruch warnt ihn ein schwarzer Diener eindringlich davor, seinen Fuß je nach Trapezunt zu setzen.
Im Jahre 1766, seiner Version zufolge, erreicht er in Begleitung von Althotas und dreier Diener Malta. Er behauptet, ihm sei die Quarantäne erlassen worden und er habe im Palast des Großmeisters Pinto, dicht neben dessen Laboratorium, Quartier bezogen. Dort legte er die europäische Tracht und den Namen Cagliostro an. Borrow fügt hier eine entscheidende Anmerkung bei: Der Gesandte Maltas in Versailles habe nach Erscheinen der Schrift sowohl den Erlass der Quarantäne als auch das Tragen der Ordensinsignien durch Althotas rundweg als Lüge bezeichnet.
Cagliostro versichert, den Eintritt in den Malteserorden ungeachtet der Versprechungen des Großmeisters ausgeschlagen zu haben. Er verliert Althotas, den er als seinen Vater und Meister preist, und begibt sich abermals auf Wanderschaft. Die Autobiografie entfaltet in der Folge eine Kette fürstlicher Begegnungen, Decknamen, Reisen, heilkundlicher Konsultationen und kranker Menschen, die er unentgeltlich geheilt haben will. Er erklärt, verschiedene Namen – Graf Starat, Graf Fenix, Marquis d’Anna – geführt zu haben, um unerkannt zu bleiben. In Rom will er Serafina Felichiani geehelicht haben; zum Zeitpunkt seiner Verhaftung teilt seine Frau die Festungshaft mit ihm. In Straßburg, so beteuert er, hätten Feinde ihn der Quacksalberei bezichtigt, woraufhin Minister zu seinen Gunsten eingeschritten seien. In Paris wiederum will er seine Tage ganz dem Wohl der Leidenden gewidmet haben.
Diese Haltung wird auf eine harte Probe gestellt, als der Kardinal von Rohan die Bühne betritt. Cagliostro berichtet, der Prälat habe bei ihm Rat gesucht, zunächst in eigener Sache, alsdann wegen des Fürsten von Soubise. Im Jahre 1785 schlägt ihm der Kardinal vor, Madame de la Motte zu empfangen. Die Königin, so hieß es, sei durch die Weissagung eines bevorstehenden Todes im Kindbett zutiefst beunruhigt. Cagliostro willigt ein, ein beruhigendes Gutachten abzugeben, ohne jedoch vorzugeben, den Schleier der Zukunft lüften zu können. Es folgt eine Szene, die er als schlichte Farce darstellt, ersonnen einzig, um die Furcht zu zerstreuen.
Madame de la Motte erscheint in Begleitung eines jungen Mädchens, das sie als unschuldige Jungfrau ausgibt. Der Graf erwartet ein Kind von sechs Jahren; Mademoiselle de la Tour zählt jedoch bereits fünfzehn Sommer. Er heißt sie hinter eine spanische Wand treten, die Augen schließen und an den Gegenstand denken, den sie zu erblicken wünsche. Der Kardinal steht auf der anderen Seite am Kamin. Cagliostro beteuert, er habe sich das Lachen verbeißen müssen, während er den Seher mimte. Zunächst will das Mädchen nichts erkennen. Er klopft gegen den Wandschirm und wirft ihr vor, nicht rein und unschuldig zu sein; schließlich beschreibt sie eine schwangere, weiß gekleidete Königin und versichert, die Niederkunft werde glücklich verlaufen.
Nach Darstellung des Grafen glaubt das Mädchen, damit den Beweis seiner Unschuld erbracht zu haben. Er fordert sie auf, der erschienenen Königin die Hand zu küssen: Sie küsst ihre eigene Hand und tritt hinter der spanischen Wand hervor. Madame de la Motte und ihre Nichte verzehren Süßigkeiten, trinken Limonade und verlassen das Gemach über die Hintertreppe. Er beharrt darauf: nichts Schädliches, nichts als ein harmloser Scherz. So lautet zumindest seine Erzählung; die Stimme des Mädchens fehlt uns hier ebenso wie jene des Kardinals, von dem der Graf behauptet, auch er habe sein Lachen kaum bezähmen können.
Als Rohan ihn später fragt, was er von Madame de la Motte halte, will Cagliostro ihn gewarnt haben, sie sei eine trügerische Person. Der Kardinal reist nach Saverne. Nach seiner Rückkehr zeigt er sich tief besorgt und bringt die Halsbandaffäre zur Sprache. Nach Angaben des Grafen hegt Rohan den Verdacht, das Geschmeide sei der Königin nie übergeben worden. Madame de la Motte und ihr Gemahl hätten daraufhin bei ihm Schutz gesucht und um Pässe zur Flucht aus Frankreich gebeten. Cagliostro will dem Kardinal geraten haben, die Eheleute der Justiz zu übergeben und dem König reinen Wein einzuschenken. Rohan habe dies aus Edelmut abgelehnt; das Paar reiste in die Bourgogne ab.
Am 15. August wird Rohan festgenommen. Sieben Tage darauf erscheinen Gerichtsdiener im Hause Cagliostros. Er schildert, wie ein Kommissar, ein Exempt und acht Polizisten seine Schränke durchstöbern, ihn in demütigender Weise zu Fuß abführen und schließlich in ein vorbeifahrendes Fiaker stoßen. Auch seine Gemahlin wird in der Bastille festgesetzt. Nach fünfmonatiger Haft wird er zum Verhör vorgeführt. Die Fragen der Richter kreisen um seine Beziehungen zum Kardinal, um das Halsband und um das Geld, das seinen prunkvollen Lebensstil finanziert.
Auf die Frage, wie er so viel verschenken und nichts annehmen könne, verweigert er zunächst die Antwort. Dieser Punkt, so beharrt er, habe mit der Sache nichts zu tun. Sodann dreht er den Spieß um: Was mache es schon aus, ob man der Sohn eines Königs oder eines Bettlers sei, solange man die Gesetze achte, seine Schulden bezahle und dem Nächsten beistehe? Schließlich lüftet er, was er sein Geheimnis nennt: Bankiers in jedem Lande stünden für ihn ein, während sein geheimes Wissen ihm weitere Einkünfte verschaffe.
Cagliostro beharrt auf seiner Unschuld. Er nennt gar die Namen jener Männer, die ihm ihr Vermögen zur Verfügung gestellt haben sollen: Sarrasin in Basel und Sancolaz in Lyon. Er habe sie lediglich gebeten, ihre Eigenschaft als Bankiers zu verschweigen. Nach all den Fürsten, Palästen und Reisen mündet seine Verteidigung in zwei greifbare Namen, an die sich die Ermittler halten können. Der Graf gibt vor, sein Geheimnis offenzulegen, ohne jedoch Abrechnungen vorzulegen oder zu begründen, weshalb diese Handelsherren ihm ein so unbedingtes Vertrauen schenken sollten.
Aus den Mauern der Bastille entlassen, musste er Frankreich für immer verlassen. Sein Lebensweg führte ihn schließlich nach Italien, wo die Inquisition seiner habhaft wurde. Seine letzte Gefangenschaft verbrachte er in der Festung San Leo, in deren Verliese er 1791 geworfen wurde. Dort hauchte er am 26. August 1795 sein Leben aus. Der Mann, der seine Verteidigungsschrift mit Berichten über offene Säle und fürstliche Residenzen gefüllt hatte, beschloss sein Dasein in einer Zelle, zu der man nur von oben herab Einlass fand.
