Am 3. Januar 1804 geht in den Gassen von Hammersmith das Gerücht um, ein Gespenst treibe sein Unwesen. Francis Smith beschließt, Wache zu halten und jene Gestalt niederzuschrecken, die das Viertel in Angst und Schrecken versetzt. Er nimmt ein Gewehr zur Hand und begibt sich in die finsteren Straßen; ein Nachtwächter, der erst seinen Rundgang beenden muss, verspricht, zu ihm zu stoßen. Sie vereinbaren eine Losung, um einander in der Dunkelheit zu erkennen. Noch ehe der Mann eintrifft, feuert Smith auf eine weiße Gestalt. Es ist kein Geist, sondern Thomas Millwood, ein Maurer, der in seiner Arbeitskleidung auf dem Heimweg ist.
Borrows Bericht hebt mit der Furcht an, die jene Erscheinung in der Nachbarschaft verbreitet haben soll. Er behauptet, eine schwangere Frau sei zwei Tage, nachdem sie die Gestalt nahe dem Kirchhof erblickt habe, gestorben, und ein Fuhrmann habe vor Schreck seine Pferde im Stich gelassen. Diese Begebenheiten entspringen der dramatischen Ausschmückung des Chronisten; durch die Zeugenaussagen des Prozesses, die das Kapitel im Folgenden wiedergibt, werden sie nicht gestützt. Das Gerücht selbst jedoch bildet den Kern der Akten: Anwohner berichten, etwas gesehen zu haben, vermögen jedoch nicht zu sagen, wer sich unter den weißen Gewändern verbirgt.
Erzürnt über die wiederholten Schrecknisse, will Smith den Betrüger auf frischer Tat ertappen. Der Nachtwächter William Girdler sagt aus, Smith habe ihm von seiner Absicht berichtet, dem Gespenst nachzustellen. Sie verabreden ein Erkennungswort: »Wer da? — Ein Freund. — Tritt vor, Freund.« Girdler setzt seinen Rundgang fort und gedenkt zurückzukehren, sobald er die Stunde ausgerufen hat. Später vernimmt er in der Nähe der Black Lion Lane einen Schuss, schenkt ihm jedoch keine Beachtung: An nächtliche Schüsse ist er gewöhnt.
In jener Nacht hatte Thomas Millwood seine Schwester Anne aufgesucht. Er suchte nach seiner Frau, die sich im Hause eines Mr. Smith aufhielt. Die Eltern schlugen ihm vor, eine halbe Stunde zu warten; er verweilte, bis der Nachtwächter elf Uhr schlug, und trat dann den Heimweg an. Seine Schwester öffnete nach ihm die Tür und sah ihm nach, während sie auf einigen Backsteinen stand. Da hörte sie eine Stimme, die ihn anrief, wer und was er sei, und drohte, zu schießen, sollte er nicht antworten. Augenblicklich fiel der Schuss. Anne rief nach ihrem Bruder, erhielt jedoch keine Antwort. Es gelang ihr nicht, den Eltern begreiflich zu machen, dass ein Unglück geschehen war. Als sie allein hinauseilte, fand sie Thomas tot auf.
Die Kugel hatte ihn an der linken Kinnlade getroffen. Smith wandte sich daraufhin an Leute aus der Nachbarschaft und räumte ein, auf einen Mann geschossen zu haben, den er für das Gespenst hielt. Mr. Lock berichtete er, er habe die Gestalt zweimal angerufen, ehe er feuerte, doch keine Antwort erhalten. Girdler teilte er mit, er habe jemanden verwundet, womöglich schwer, und bot an, sich zu stellen. Lock, Stowe und der Nachtwächter führten ihn zum Leichnam. Der Schütze flüchtete nicht in die Gassen; die Frage war fortan, welches Wissen er besaß, ehe er den Abzug betätigte.
Die Verhandlung vor dem Old Bailey begann am 13. Januar. Die Verteidigung bestritt weder, dass Smith bewaffnet ausgezogen war, um dem Gespenst aufzulauern, noch dass Millwood durch seinen Schuss den Tod fand. Smith beteuerte, keine böse Absicht gehegt und in jenem verhängnisvollen Augenblick nicht gewusst zu haben, was er tat. Niemals habe er ein Menschenleben auslöschen wollen. Die Zeugen jedoch riefen die Worte in Erinnerung, die unmittelbar vor dem Schuss in der Gasse gefallen waren: Wer seid Ihr, was tut Ihr, ich schieße, wenn Ihr nicht sprecht. Die Schwester des Opfers hatte sie von der Schwelle aus vernommen.
Ihre Aussage gab dem Menschen unter dem Gewand seine Wirklichkeit zurück. Millwood trug seine gewohnte Maurerkleidung, weiß, wie es sein Handwerk verlangte. Er war kein Scheusal aus dem Kirchhof: Er kehrte von einem Besuch bei den Eltern zurück, bei denen seine Schwester lebte, hatte auf seine Frau gewartet und der Schwester eine gute Nacht gewünscht. Den Akten zufolge ließ die Familie ihn ohne jede böse Ahnung ziehen. Erst als Anne die Tür öffnete, um ihm nachzublicken, vernahm sie den Anruf und den Schuss.
Die übrigen Zeugen schilderten den Leichnam und die Vorgänge nach der Tat, nicht den Schuss selbst. Girdler hörte den Knall, erblickte jedoch kein Gewehr beim Opfer. Mr. Lock fand Millwood leblos am Boden liegend, mit einer Wunde am Kiefer. Smith wirkte verstört, gestand jedoch sogleich, geschossen zu haben. Sein sofortiges Geständnis und der Verzicht auf jede Flucht wurden von den Zeugen bestätigt; an dem tödlichen Ausgang der Verwechslung änderten sie nichts.
Die Verteidigung rief daraufhin Zeugen auf, die von einer weiteren Begebenheit berichteten. Mrs. Fullbrook, die Schwiegermutter Millwoods, bekundete, wenige Tage vor seinem Tode hätten zwei Frauen und ein Mann Thomas für das Gespenst gehalten, als er eine Terrasse hinabstieg. Er habe ihnen entgegnet, er sei kein Geist, und den Mann gefragt, ob er einen Faustschlag wünsche. Fullbrook riet ihm damals, einen weiten Mantel anzulegen, um nicht für die Erscheinung gehalten zu werden. Später gab Thomas Groom zu Protokoll, eines Abends habe ihn auf dem Kirchhof ein unsichtbares Etwas an der Kehle gepackt. Seine Aussage belegte lediglich seine Empfindungen, keineswegs das Dasein eines Gespenstes.
Das Gerücht verstummte auch im Gerichtssaal nicht; es bildete den Rahmen des Geschehens. Smith gab vor, einem vermeintlichen Spuk ein Ende setzen zu wollen, und die Verteidigung suchte nachzuweisen, dass die Furcht auch andere ergriffen hatte. Doch die Anklage galt dem gewaltsamen Tod eines bestimmten Menschen. Die Geschworenen zogen sich über eine Stunde zurück und entschieden zunächst auf Totschlag, ein milderes Delikt als Mord. Der Richter belehrte sie jedoch, dass sie nach den festgestellten Tatsachen rechtlich nur zwischen Mord und Freispruch wählen könnten: Selbst wenn Smith jenen Betrüger erschossen hätte, dem er auflauerte, wäre die Tat als Mord zu werten. Das Gericht wies den vermittelnden Spruch somit ab.
Die Geschworenen traten erneut zusammen und sprachen Smith nach kurzer Beratung des Mordes schuldig. Der Lord Chief Baron kündigte an, dem König unverzüglich Bericht zu erstatten. Noch vor sieben Uhr traf am Old Bailey ein Strafaufschub ein; am 25. Januar wurde Smith unter der Auflage eines einjährigen Gefängnisaufenthalts begnadigt. Hier endet Borrows Bericht. Er macht aus dem Gerücht keinen Beweis für das Übersinnliche: Der Tote bleibt ein Maurer auf dem Heimweg, und das Mordurteil beantwortet den Entschluss, auf eine stumme Gestalt das Feuer zu eröffnen.
