Die Akte des James How schließt nicht mit jenem Diebstahl, für den er vor Gericht stand, sondern mit Papieren, die er dem Gefängnisgeistlichen anvertraute, verbunden mit der Bitte, sie für ihre rechtmäßige Eigentümerin zu verwahren. Dazwischen liegen eine bestrittene Anklage, der gescheiterte Versuch, einen Gefangenen aus Newgate zu befreien, und ein Gnadengesuch, das von der Person, an die es gerichtet war, unmöglich gewährt werden konnte.
How stammte aus Windsor in der Grafschaft Berkshire. Seine Eltern, ehrbare Leute von mittlerem Stande, hatten sorgfältig über seine Erziehung gewacht, die ihn nach dem Urteil des Chronisten befähigt hätte, nahezu jedes ehrliche Gewerbe zu ergreifen. Er jedoch zog den Müßiggang stetiger Arbeit vor. Als er seiner Familie zur unerträglichen Last wurde, schickte man ihn zur See. Seine kräftige Gestalt und seine Kühnheit verschafften ihm an Bord rasch ein gewisses Ansehen; er diente sogar auf dem Flaggschiff des Admirals und galt als ein junger Mann von vielversprechender Zukunft. Diese Aussichten schwanden jedoch in dem Augenblick, da er wieder festen Boden unter den Füßen hatte.
How schloss sich wieder alten Gefährten an. Diese priesen ihm den Taschendiebstahl als den kürzesten Weg an, jene Ausgaben zu bestreiten, die sie ihrer unersättlichen Vergnügungssucht zuschrieben. Er lieh ihnen Gehör und bemächtigte sich fortan, wie der Bericht meldet, allem, was nicht niet- und nagelfest war. Binnen weniger Jahre passierte er wiederholt das Zuchthaus Bridewell und verschiedene andere Gefängnisse; der Chronist zählt die Demütigungen und Leibesstrafen auf, die damals mit solchen Haftstrafen einhergingen. Nach mehreren Aufenthalten in Newgate wegen minderer Vergehen wurde How schließlich eines schweren Verbrechens überführt und zur Deportation in die Kolonien verurteilt.
Um der Zwangsarbeit in den Überseegebieten zu entgehen, fälschte er ein Schreiben, von dem er behauptete, es rühre von einem hochgestellten Edelmann her. Das Schriftstück verfügte angeblich seine Freilassung, damit er seinen Dienst auf einem der Kriegsschiffe Seiner Majestät verrichten könne. Der Betrug flog auf. Man verurteilte ihn zu zwei Jahren harter Arbeit im Zuchthaus Bridewell; als man ihn jedoch dorthin überstellte, weigerte sich der Kerkermeister, ihn aufzunehmen. Die Vorsteher der Anstalt kannten ihn bereits zur Genüge und fürchteten, er werde die übrigen Insassen zur Widerspenstigkeit verleiten, indem er Fluchtpläne schmiedete. How wurde daraufhin nach Newgate zurückgebracht, wo er die festgesetzte Zeit abbüßte. Die Quelle vermerkt weder, an welchem Tage er danach seine Freiheit wiedererlangte, noch auf wessen Beschluss hin dies geschah.
Sie hält lediglich fest, dass er unverzüglich sein altes Handwerk wieder aufnahm. Als Einbrecher festgenommen, beschuldigte man ihn, fünf Pfund Sterling aus dem Haus von John Spence entwendet zu haben. Bei den folgenden Gerichtssitzungen wurde Anklage gegen ihn erhoben und er vor die Schranken des Gerichts geführt. How erklärte zunächst, man habe ihm Angebote unterbreitet, um ihm Enthüllungen zu entlocken, und verlangte, als Kronzeuge zugelassen zu werden. Das Gericht erwiderte, es verhandle nicht mit einem Gefangenen an der Barriere: Nach Verlesung der Anklage habe er sich schuldig oder nicht schuldig zu bekennen.
How beharrte auf dem Status eines Zeugen und weigerte sich, auf die Anklage zu antworten. Die Richter bedeuteten ihm, dass ein solches Verhalten ihm keinerlei Milde eintragen könne und er als Verstockter – stumm aus Bosheit – zu einer schwereren Strafe verurteilt werden würde als jener, die ihn im Falle eines Schuldspruchs erwarte. Er entgegnete, sterben müsse er ohnehin, und die Art und Weise sei ihm gleichgültig. Es erging ein Urteil nach dem für solche Fälle vorgesehenen Verfahren; der Bericht vermerkt, man habe ihn abgeführt, um ihn dem Druck schwerer Gewichte zu unterwerfen (der sogenannten Peine forte et dure). Doch ehe diese Prozedur ihren Fortgang nahm, erbat er Bedenkzeit bis zum nächsten Morgen. Dieser Aufschub wurde ihm gewährt. Am folgenden Tage bekannte er sich schuldig.
Während er unter dem Todesurteil lag, brachte ein Diebstahl von Tafelsilber den Namen Hows erneut vor den Ordinary, den Seelsorger des Gefängnisses. Einer gewissen Mistress Dawson waren zwei silberne Humpen, zwei Becher, eine Schale, ein Punschlöffel, sieben Pfund und sechzehn Schillinge sowie eine beträchtliche Anzahl von Papieren abhandengekommen, die sie als überaus wertvoll erachtete. Ihr Verdacht fiel auf Eleanor Reddey, die daraufhin verhaftet wurde. Reddey gestand zunächst, sie habe des Nachts William Read die Tür geöffnet, welcher die Gegenstände an sich genommen habe, während sie Schmiere gestanden habe. Sie wurde verurteilt; Read, der gemeinsam mit ihr vor Gericht stand, wurde freigesprochen, da die Aktenlage gegen ihn keinerlei Beweise erbrachte.
Nach ihrer Verurteilung beteuerte Reddey plötzlich ihre Unschuld und erklärte, ihre ursprüngliche Aussage sei ihr von Nachbarn eingegeben worden. Nach dieser späteren Schilderung hätten jene Nachbarn sie überredet, die Tat zu gestehen und Read zu belasten, indem sie ihr Hoffnung machten, sie könne ihre eigene Haut retten, wenn sie als Zeugin gegen ihn auftrete; sie habe aus Furcht nachgegeben, man würde ihr das Verbrechen andernfalls allein anlasten. Sie gab an, diese Erklärung vor dem Friedensrichter Jackson unterzeichnet zu haben. Der Bericht hinterlässt uns somit zwei unvereinbare Darstellungen: ein Geständnis der Tatbeteiligung und dessen Widerruf nach gefälltem Urteil. Er berichtet weder von einer Nachuntersuchung noch von einer Wiederaufnahme des Verfahrens oder von unabhängigen Beweisen, die den Ausschlag hätten geben können. Der Freispruch Reads wird als Folge des Mangels an Beweisen dargestellt, während Reddey allein auf ihr eigenes Bekenntnis hin verurteilt worden war. Der späte Widerruf änderte nach den erhaltenen Blättern nichts am Ausgang des Prozesses; er lässt jedoch die Frage unbeantwortet, ob das anfängliche Geständnis der Wahrheit entsprach. Von Belang ist ferner, dass dieser Einwand erst nach Reddeys Verurteilung laut wurde – zu jenem Zeitpunkt, als How, der bereits wegen einer anderen Tat zum Tode verurteilt war, behauptete, um die wahre Herkunft des verschwundenen Gutes zu wissen.
How trat nun hervor und erklärte, er selbst habe Mistress Dawson beraubt. Er behauptete, einen Großteil des Silbers und die meisten Papiere in Händen zu haben, und erbot sich, sie herauszugeben, sofern die Dame über genügend Einfluss verfüge, um eine Begnadigung für ihn oder für Reddey zu erwirken. Der Geistliche hielt ihm entgegen, dass Mistress Dawson eine solche Begnadigung keineswegs gewähren könne, und ermahnte ihn, das Unrecht nach Kräften wiedergutzumachen. How weigerte sich zunächst, auch nur das Geringste herauszugeben, es sei denn gegen einen handfesten Vorteil für sich selbst oder die verurteilte Frau. Dieses Feilschen bewies für sich genommen keineswegs die Unschuld Reddeys; es brachte jedoch einen Zweifel an dem bereits gesprochenen Schuldspruch auf, den der Chronist nicht aufzulösen vermag. Die Quelle erwähnt nicht, dass How wegen des Einbruchs bei Dawson je angeklagt worden wäre oder sich vor Gericht einer neuen Beschuldigung hätte stellen müssen. Seine Einlassung erfolgte während seiner Haft unter der Verhängung der Todesstrafe; sie gilt daher als spätes Schuldeingeständnis, nicht aber als ein rechtskräftiges Urteil im Falle des gestohlenen Silbers.
Als sein Ende näher rückte, änderte How sein Verhalten gegenüber dem Seelsorger. Er eröffnete ihm, das Silber sei nicht länger in seiner Gewalt, die Papiere jedoch seien in einer Kassette herbeigeschafft worden. Er übergab diese Schatulle und bat inständig, man möge sie sorgfältig verwahren, da er wisse, von welch hohem Wert sie für ihre Eigentümerin seien. Der Bericht überliefert weder den genauen Inhalt dieser Dokumente, noch ob die Kassette tatsächlich an Mistress Dawson ausgehändigt wurde. Er berichtet auch nicht davon, dass das Silber je wieder aufgefunden worden wäre, dass ein Gnadengesuch eingereicht oder nach der Übergabe der Kassette ein neues Verhör stattgefunden hätte. So blieb die angekündigte Rückgabe unvollständig und ihr Ausgang im Dunkeln: Die Papiere wurden dem Prediger anvertraut, das Silberwerk blieb verschollen, und der Bestohlenen widerfuhr im vorliegenden Bericht keine weitere gerichtliche Genugtuung.
Bei seiner Hinrichtung am 11. September 1728 schien es How vor allem darum zu tun zu sein, jeden Verdacht von seiner Ehefrau abzuwenden, deren Namen die Chronik verschweigt. Er starb im Alter von fast achtunddreißig Jahren. Der Bericht lässt das Schicksal der dem Geistlichen übergebenen Papiere, den Verbleib des Silbers, das How seiner Macht entzogen nannte, und das letztliche Los der Eleanor Reddey gänzlich unaufgeklärt.
