Zweiundzwanzig Zeugen harrten im Hof des Justizpalastes für Napoléon Gaillard aus; keiner von ihnen hatte eine gerichtliche Vorladung erhalten. Der Gerichtsvorsitzende befand, man könne nicht sämtliche Entlastungszeugen auf Antrag eines einzelnen Angeklagten vernehmen, und forderte ihn auf, eine Auswahl zu treffen. Gaillard entgegnete, er habe sie nicht gesehen und wisse nicht, was sie auszusagen gedächten. Gleichwohl öffnete sich der Saal für jene, die das Gehör der Kammer finden konnten. Es war der 22. Oktober 1869 vor der Sechsten Zuchtpolizeikammer von Paris, und der Prozess um die Versammlung von Belleville sollte sich zuvörderst um diese eine Frage drehen: Wer im Saal der Rue de Paris hatte den Befehl zur Auflösung tatsächlich vernommen?
Sieben Männer standen vor den Schranken des Gerichts. Lissagaray, Lombard, Oudet und Amouroux, Mitglieder des Versammlungsbüros, waren angeklagt, sich der Auflösung widersetzt und durch Reden oder Rufe zu Vergehen sowie zum Ungehorsam gegen die Gesetze aufgewiegelt zu haben. Havrez, Noiret und Gaillard hatten sich überdies wegen Beleidigung, Widerstands und Gewalttätigkeiten gegen Vollstreckungsbeamte zu verantworten. Zwei der Angeklagten, Havrez und Noiret, befanden sich in Untersuchungshaft. Diese Aufteilung der Anklagepunkte schied bereits die den einzelnen Individuen zugeschriebenen Handlungen; was der Tumult verworren hatte, sollte die Verhandlung nun Name für Name entflechten.
Die Versammlung hatte am 10. Oktober in der Rue de Paris Nr. 8 in Belleville stattgefunden. Man debattierte über Gerichtsvollzieher und deren Verhältnis zur Justiz. Polizeikommissar Briand, mit der Überwachung der Zusammenkunft betraut, behauptete, er habe die Redner Ducasse und Nathan wiederholt verwarnt. Lissagaray, der den Vorsitz führte, beharrte darauf, keine einzige Verwarnung gehört zu haben. Die ersten beanstandeten Äußerungen betrafen die Untersuchungsrichter, die Haftbefehle und die Schleifung der Gefängnisse. Sodann soll Nathan es als „schändliche Tat“ angeprangert haben, dass sich kein Gerichtsvollzieher gefunden habe, um den Polizeipräfekten vorzuladen, während Arbeiter von den Gewerbegerichten zu vierzehn Tagen Zwangsarbeit verurteilt worden seien. Nach diesen von Beifall übertönten Worten, so Briand, habe er die Versammlung für aufgelöst erklärt.
Lissagaray schilderte jenen Augenblick gänzlich anders. Der Kommissar, so sagte er, habe sich zum Vorstandstisch hinübergebeugt; die Beisitzer hätten geglaubt, er wolle eine Verwarnung erteilen. Er habe einige Worte gemurmelt, die niemand verstand, und sodann seinen Hut aufgesetzt. Daraufhin habe der Präsident die Glocke geschwungen und verkündet, die Sitzung dauere fort, da dem Bureau keine Verwarnung zu Ohren gekommen sei. Amouroux, der neben ihm saß, bestätigte, er habe keinerlei Abmahnung wahrgenommen. Der Polizeisekretär Perinet hingegen versicherte, die Verwarnungen gehört zu haben, und bezeugte die Auflösung. Er räumte indessen ein, das Protokoll erst nach der Rückkehr auf das Kommissariat unter dem Diktat Briands verfasst zu haben, wobei beide ihre Erinnerungen zusammengetragen hätten.
Nunmehr verknüpfte sich die Frage der polizeilichen Ordnung mit jener der Türen. Briand gab zu Protokoll, er habe nach wenigen Minuten den Saal verlassen wollen, während die Menge sich weigerte auseinanderzugehen. Die Tür, so schilderte er, sei mit einer Eisenstange verriegelt gewesen; Anwesende hätten ihn umringt und ihm zugerufen, er werde nicht hinausgelangen. Schließlich sei sie von außen aufgestoßen worden. Als er mit fünf oder sechs Stadtsergeanten zurückkehrte, flog ein von drinnen geschleuderter Holzbalken knapp an ihm vorbei und zerschellte auf dem Pflaster. Weitere Bänke und Stühle folgten. Die Beamten hätten sich dieser Möbel bedient, um die Geschosse abzuwehren, beteuerte der Kommissar, der keinen seiner Leute den Degen habe ziehen sehen.
Im Saal wichen die Berichte über die Handgreiflichkeiten weit voneinander ab. Briand hatte einen Mann mit blutüberströmtem Gesicht erblickt; die Wunde schien ihm von stumpfer Gewalt hergerührt zu haben, nicht von einer Klingenwaffe. Zudem bemerkte er mehrere verletzte Sergeanten mit zerrissenen Uniformen sowie eine Degenwunde an der Hand eines der Seinen. Ein anderer Mann, den man als Verwundeten auf die Straße trug, sei keineswegs verletzt gewesen, fügte er hinzu. Perinet wiederum hatte einen Teilnehmer mit Nasenbluten gesehen, ohne sagen zu können, wer ihn geschlagen habe; er meinte, ein Sergeant sei zu Boden gerissen und entwaffnet worden.
Die daraufhin aufgerufenen Sergeanten steuerten weitere Einzelheiten bei, vermochten jedoch nicht jeden Arm mit Bestimmtheit zuzuordnen. Brungalia sagte aus, er sei umgeworfen und geschlagen worden; er habe gefürchtet, man werde ihn mit seinem eigenen Degen ermorden, den man ihm entwunden hatte. Er glaubte, Lissagaray habe die Glocke geläutet und zum Bleiben aufgerufen, konnte dies jedoch nicht mit Gewissheit beschwören. Er habe seinen Degen wiedererlangt und ihn, so seine Deposition, mit der flachen Klinge gebraucht, um die Angreifer abzuwehren. Gaillard rief dazwischen, der Sergeant habe mindestens zwanzig Degenschläge ausgeteilt; worauf der Staatsanwalt fragte, wo denn die zwanzig Verwundeten geblieben seien. Pairault erklärte, er habe einen Degenhieb empfangen; Juneker gab an, die Waffe überhaupt nicht gezogen zu haben, und wusste nicht, ob Noiret, den er im Handgemenge mit einem Beamten gesehen hatte, tatsächlich Schläge versetzt habe.
Noiret legte der Sergeant Blanchard zur Last, einen Stuhl nach den Beamten geworfen zu haben, nachdem der junge Mann sie als Feiglinge und Kanaille beschimpft habe. Gaillard wiederum soll im Ringen mit einem Sergeanten gesehen worden sein, dem er vier Knöpfe von der Uniform riss. Clauser berichtete, Gaillard, den man zur Ruhe gemahnt habe, habe ihn umklammert und heftig geschüttelt. Diese Zeugenaussagen verliehen dem Gemenge fassbare Züge; dennoch verteilten sie nicht jeden einzelnen Hieb zweifelsfrei unter den Angeklagten. Garland, ein anwesender Zivilingenieur, hatte wohl gezogene Klingen gesehen, vermochte jedoch nicht zu sagen, wessen Hände sie führten. Auch hatte er gehört, wie beim Hinausgehen des Kommissars Stimmen verlangten, man solle ihn passieren lassen.
Vor den Schranken verlagerte sich der Streit alsbald auf die Polizeiberichte. Lissagaray behauptete, Briand habe zunächst zwei Protokolle angefertigt und auf Geheiß des Präfekten nachträglich drei weitere hinzugefügt. Er beharrte darauf, dass keine Verwarnung ergangen sei und das gesamte Versammlungsbüro einmütig dasselbe bezeuge. Der kaiserliche Staatsanwalt händigte ihm die Akten aus und forderte ihn auf, dies nachzuweisen. Lissagaray überflog die Schriftstücke, suchte einen Augenblick und ließ schließlich ab: „Ich finde es nicht, doch ich habe gesehen, was ich gesehen habe.“ Das Blatt entscheidet diesen Zwiespalt nicht; es zeigt lediglich eine Anklage, die vor denselben Urkunden auf die Probe gestellt wird, auf die sie sich beruft.
Der Aufruhr war den Angeklagten bis in den Gerichtssaal gefolgt. Eine Stimme aus dem Publikum erhob sich und bezichtigte den Kommissar, geheime Absprachen mit den Beamten zu treffen; der Vorsitzende ordnete die Ausweisung des Störers an, in dem mehrere den wegen politischer Vergehen bereits vorbestraften Rigaut erkannten. Wachtmeister Arnoult schilderte daraufhin die Vorgänge auf der Straße: Er habe Schmährufe gegen die Sergeanten vernommen und gesehen, wie Havrez auf den als Opfer fortgetragenen Mann wies und schrie, man habe ihn ermordet. Arnoult habe ihm bedeutet, auf der Wache eine Aussage zu Protokoll zu geben. Havrez weigerte sich; der Wachtmeister packte ihn am Kragen. Ein Mann habe sich daraufhin vor ihnen zu Boden geworfen, so der Zeuge, um ihren Schritt zu hemmen. Havrez entgegnete, dies alles sei erlogen. Auf die Frage des Vorsitzenden, wer der Verwundete gewesen sei, gestand Arnoult, er kenne ihn nicht und wisse nicht einmal, ob es sich um jenen Mann handele, den man in der Apotheke erblickt habe.
Acht Tage darauf, am 30. Oktober, trugen die Verteidiger vor derselben Kammer ihre Plädoyers vor. Jules Favre brach eine Lanze für die Versammlungsfreiheit und focht dafür, dass Auswüchse sich heilsamer mindern lassen, wenn ein Recht weder gedemütigt noch der Willkür preisgegeben wird. Laferrière sprach für Amouroux; Paul Lax für Havrez. Alle Angeklagten – mit Ausnahme Noirets, der beharrlich schwieg – gaben persönliche Erklärungen ab. Nach der Erwiderung der Staatsanwaltschaft und einer langen Beratung verkündete der Gerichtshof sein Urteil: Er sprach die sieben Männer vom Vorwurf der aufrührerischen Rufe frei, verurteilte sie jedoch in den übrigen Anklagepunkten. Lissagaray, Lombard, Oudet und Amouroux wurden zu je 500 Francs Geldbuße verurteilt; Havrez und Gaillard zu vier Monaten, Noiret zu drei Monaten Gefängnis.
Der Sitzungsbericht schloss mit einer sauberen Scheidung: Die aufrührerischen Rufe fanden keine richterliche Anerkennung, doch die sonstigen Vergehen zogen Geldbußen oder Haft nach sich. Vier Angeklagte traf das gleiche finanzielle Strafmaß; drei wanderten hinter Gitter. Gaillard war zur Verhandlung erschienen, ohne mit seinen zweiundzwanzig Zeugen gesprochen zu haben; die Gazette verschweigt, wie viele von ihnen letztlich gehört wurden. Sie kündigte an, der vollständige Urteilstext werde nachgereicht. In den beiden hier überlieferten Berichten bleiben die geschleuderten Bänke, der entwundene Degen und die blutigen Wunden auf Stimmen verteilt, die nicht immer auf dieselben Hände weisen.
