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Justiz & Skandale · England

Die zwei Kisten des Charles Hussey

Greenwich, 1818. Die Kirchengemeinde findet das Haus von George Bird und Mary Simmons verschlossen. Später wird Diebesgut in zwei Kisten entdeckt, die Verwandten von Charles Hussey anvertraut worden waren. Er wird vor den Assisen von Maidstone verurteilt, doch die Schilderung eines Fremden, der in einem Garten gesehen worden sein soll, bleibt ohne nachgewiesene Überprüfung.

Im Februar 1818 bemerkten die regelmäßigen Besucher der Kirche von Greenwich das Fehlen zweier Gemeindeglieder: George Bird und seine Haushälterin Mary Simmons, die gewöhnlich schon vor Beginn des Gottesdienstes in ihrer Kirchenbank saßen. Als die Feier vorüber war und ihr Haus noch immer verschlossen blieb, ging der Kirchenvogt um das Gebäude herum und drang durch die Hintertür ein. Das Schweigen zweier Gläubiger hatte soeben ein Verbrechen zutage gefördert, das noch niemand beim Namen zu nennen wusste.

Bird zählte dreiundachtzig Jahre. Als ehemaliger Kerzenzieher hatte er durch fleißige Arbeit ein Vermögen erworben und sich nach dem Tod seiner Ehefrau nach Greenwich zurückgezogen. Mary Simmons, vierundvierzig Jahre alt, führte ihm den Haushalt.

Der Vogt klopfte vergeblich an und brach schließlich einen Hintereingang auf. Die Chronik beschreibt Mary im Flur und Bird im Salon, beide durch Schläge mit einem stumpfen Werkzeug auf den Kopf getötet. Die Taschen der Kleidung waren durchwühlt worden, um an die Schlüssel zu gelangen; im Obergeschoss wiesen Schubladen und Truhen Blutspuren auf. Silberzeug und Löffel waren verschwunden, während drei Pfund Sterling in einem Geheimfach der Aufmerksamkeit des Diebes entgangen waren. Dem Bericht zufolge war Bird noch vollständig bekleidet; ein aufgeschlagenes Buch sowie seine in der Hand gehaltene Brille lagen neben ihm.

Auch die Türen sprachen eine deutliche, wenn auch unvollständige Sprache. Die Vordertür, die stets durch eine Kette gesichert war, befand sich unverändert in diesem Zustand; der Verfasser vermutet daher, dass der Mörder durch die Hintertür eingedrungen war. Beide Bewohner pflegten gegen zehn Uhr zu Bett zu gehen, doch ihre Kleidung veranlasste den Chronisten zu der Annahme, dass die Schläge schon früher gefallen waren. Diese Überlegung wird ausdrücklich als Deduktion dargelegt, nicht als gesicherter Zeugenbeweis für die Tatzeit.

Die Nachricht versetzte Greenwich in Bestürzung. Ein ortsansässiger Anwalt sandte Boten nach Bow Street; Londoner Beamte trafen ein, und eine Leichenschau wurde anberaumt. Die Chronik vermerkt, dass dabei keinerlei verwertbare Spur gesichert werden konnte. Die beiden Toten wurden in der darauffolgenden Woche unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Kirchhof beigesetzt. Drei Wochen lang wurden mehrere Personen auf bloßen Verdacht hin festgenommen, mangels stichhaltiger Beweise jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Verbrechen drohte unaufgeklärt hinter dieser Reihe verschlossener Türen und geraubter Güter zu versinken, als die Schwester eines gewissen Charles Hussey Verdacht schöpfte ob des Inhalts einer Kiste, die jener bei ihr deponiert hatte.

Hussey war etwa eine Woche nach den Morden bei den Eheleuten Godwin in Peckham eingetroffen. Er gab vor, zu einem Bruder nach Basingstoke reisen zu müssen. Er entnahm Gegenstände aus einer Kiste, die unter einem Bett verstaut war; seine Schwester vermutete, dass es sich um Geld handelte. Er hatte eine Abwesenheit von einer Woche angekündigt, kehrte jedoch erst fast vierzehn Tage nach seinem ersten Erscheinen zurück. Seine Unruhe weckte laut ihrer Aussage ihr Misstrauen. Sie beriet sich mit ihrem Ehemann und öffnete die Kiste schließlich mit einem ihrer eigenen Schlüssel. Darin befanden sich zwei Uhren. Das Ehepaar mutmaßte, die Stücke könnten Bird gehört haben, und verständigte die Behörden in Greenwich.

Der durch die Godwins gegebene Hinweis blieb nicht der einzige Faden. Eine weitere Kiste war bei einer gewissen Mrs. Goddard in Deptford hinterlegt worden. Diese Verwandte Husseys wunderte sich über Fragen, die man zu seiner Person stellte; sie öffnete den Kasten und fand darin Gegenstände, die ihr aus Birds Haus zu stammen schienen. Die Beamten entdeckten ein Weinsieb und einen Suppenlöffel aus Silber, Bettwäsche, Hemden, eine helle Weste mit Blutflecken nahe der rechten Tasche, Gamaschen mit gleichartigen Spuren, ein blutiges Tuch sowie einen Hut. Hinzu kamen weitere Silbergegenstände, die Bird zugeordnet wurden. Die Kiste war nicht verschlossen; Hussey kehrte nicht zurück, um sie einzufordern.

In Peckham sicherten die Kriminalbeamten die beiden Uhren sowie mehrere Banknoten, die mit Birds Initialen gezeichnet waren. Ebenso fanden sie Husseys Entlassungsschein der Ostindien-Kompanie, der ein genaues Signalement seiner Person enthielt.

Die Fahndung wurde in mehrere Richtungen aufgenommen; Belohnungen wurden ausgesetzt. Ein Gastwirt in Deddington, Oxfordshire, erkannte ihn schließlich anhand des veröffentlichten Steckbriefs. Unterstützt von einem Nachbarn stellte er den Mann zur Rede und forderte ihn auf, ihm zu folgen. Hussey nannte schließlich seinen Namen. Man fand bei ihm eine Uhr und ein Taschennotizbuch, in dem ein Ring steckte – Gegenstände, die ebenfalls dem Raub bei Bird zugeschrieben wurden. Er bestritt jede Kenntnis von den Morden wie vom Diebstahl, räumte jedoch ein, dass die Gegenstände sein Eigentum seien.

Vor dem Magistrat tischte er eine andere Version über die Herkunft auf. Am Sonntagnachmittag nach der Tat habe er beobachtet, wie ein Mann in Greenwich über eine Gartenmauer kletterte und ein Bündel an einem Baum ablegte. Aus Neugier habe Hussey die Stelle aufgesucht, darin zwei Uhren sowie eine silberne Schöpfkelle erblickt und sich wieder entfernt, ohne etwas anzurühren. Am darauffolgenden Samstag sei er an denselben Ort zurückgekehrt, habe das Paket wiedergefunden und mitgenommen. Die von ihm aufgezählte Liste umfasste Uhren, Silbergeschirr, Wäsche, Ringe, alte Münzen und Banknoten. Er sei geflohen, da er sich geschämt habe, mit diesen Gütern in der Öffentlichkeit aufzutreten.

Der Prozess fand am 31. Juli 1818 vor den Assisen in Maidstone statt. Die Anklage verknüpfte die Gegenstände mit dem Tatort, die Flecken auf den Kleidern mit der Mordnacht und Husseys Wegstrecken mit den maßgeblichen Örtlichkeiten. Der Hammer, von dem man annahm, er habe als Tatwaffe gedient, war wenige Tage zuvor einem Böttcher entwendet und später in einem Teich gefunden worden. Hussey kannte diesen Handwerker, verkehrte häufig in dessen Haus, und seine Truhe hatte dort gestanden, ehe sie zu Mrs. Goddard gebracht worden war. Zeugen sagten zudem aus, er gehöre der Loge der Odd Fellows an, sei jedoch am Abend der Morde erst gegen zehn Uhr zu deren Zusammenkunft erschienen. Der Wirt des Versammlungslokals erklärte gleichwohl, Husseys gewöhnliches Wesen hätte ihn nie auf den Gedanken eines solchen Verdachts gebracht.

Dieses Leumundszeugnis vermochte die Indizienkette nicht zu entkräften; es verdeutlichte lediglich, wie sehr der gewohnte Ruf eines Mannes jene zu täuschen vermag, die mit ihm verkehrten. Hussey, einst Seemann der Ostindien-Kompanie, war später als Bediensteter in Greenwich unweit von Birds Haus tätig gewesen, ehe er seine Stellung verlor. Die Geschworenen sprachen ihn schuldig.

Hussey wurde am 3. August 1818 auf Pennenden Heath nahe Maidstone hingerichtet. Der Bericht überliefert kein Geständnis. Er erwähnt lediglich, dass Hussey auf die Frage eines Geistlichen, ob er wisse, wer die Tat begangen habe, eifrig antwortete: „Ich weiß es, ich weiß es.“ Diese Worte nannten niemanden namentlich und stellten kein Schuldeingeständnis dar. Die Chronik verweilt sodann bei seiner äußeren Erscheinung: Er sei groß und blass gewesen, von auffallend breiten Händen und Füßen, mit einem sanften, menschlichen Antlitz – als solle der Anblick des Körpers noch Aufschluss über das Wesen der Tat geben.

In Greenwich war der erste Verdacht aus zwei leeren Plätzen auf einer Kirchenbank erwachsen. Drei Wochen später bedurfte es des Entschlusses einer Schwester, die Kiste ihres Bruders zu öffnen, um der Untersuchung die entscheidende Wendung zu geben. Sie hatte darin zwei Uhren gefunden; die Beamten entdeckten daraufhin die mit Birds Zeichen versehenen Noten. Zwischen dem verschlossenen Haus der Opfer und der geöffneten Kiste bei den Godwins hatte das Verbrechen zwei Häuslichkeiten berührt. Im ersten konnte niemand mehr antworten. Im zweiten hatte eine Frau beschlossen zu sprechen.

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Dieser Fall beruht auf der Chronik von Camden Pelham. Sachbeweise, Husseys Rechtfertigung und das Urteil werden getrennt voneinander dargestellt. Da die Quelle unschlüssig zwischen dem 8. Februar und einem „Sonntag, dem 9. Februar“ schwankt, beschränkt sich die Schilderung auf die Monatsangabe. Es wurden weder fiktive Dialoge noch private Szenen ergänzt. Die drei vorgestellten Buchprojekte sind eigenständige fiktionale Werke.

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