Es geschieht zuweilen, dass die Gazette des tribunaux, die langwierigen Erbstreitigkeiten ganze Seiten widmet, eine der finstersten Untaten des Jahres in vier dürren Zeilen abtut. So verhält es sich mit diesem Fall, der sich am Ende einer Nummer vom März 1781 verliert – eingezwängt zwischen der Errichtung neuer Notariatsstellen und einem Hinweis an die Subskribenten.
Zwei Urteilssprüche des Parlements von Paris vom 16. und 19. März. Der erste verurteilt Charles Lafosse den Älteren dazu, auf dem öffentlichen Platze zu Senlis lebendig gerädert zu werden, weil er Messire Louis Lafosse, Diakon und Kanoniker an der Kirche von Senlis, seinen leiblichen Bruder, dessen Magd sowie deren Mutter mit Hammerschlägen ermordet und sie hernach unter mehrfachem Einbruch beraubt hatte. Der zweite verdammt Charles-Paul Lafosse den Jüngeren für dasselbe Verbrechen zu ebenderselben Qual.
Das ist alles. Doch man lese noch einmal. Der Kanoniker war seinen Mördern kein Fremder: Er war der Bruder des einen, der Onkel des anderen. Jene, die zuschlugen, kannten das Haus, kannten die Magd und wussten wohl auch, dass deren Mutter bei ihr weilte. Und nach den Hammerschlägen mussten noch Schlösser erbrochen werden: Was die Blutsverwandten begehrten, lag nicht offen zutage.
Die Gazette schweigt sich über das Weitere aus: weder über das Motiv noch über den Tag der Tat; auch nicht darüber, ob der Sohn selbst zuschlug oder bloß Gefolgsmann war. Das Parlement indes machte keinen Unterschied zwischen Vater und Sohn; es sandte beide zur selben Marter auf denselben Platz, im Abstand von nur drei Tagen.
Man fragt sich, was für ein Schauplatz er wohl war, jener Marktplatz von Senlis, auf dem man zwei Männer zerbrach, die den Namen eines Kanonikers ihrer eigenen Kirche trugen; und was wohl in jenen vorging, die am darauffolgenden Sonntag eben diesen Namen aus dem Munde des Priesters vernahmen, beim fürbittenden Gebet für die Toten.
Gazette des tribunaux, 1781, Urteile des Parlements von Paris vom 16. und 19. März 1781.
